Der tiefe Riss innerhalb der sächsischen Sozialdemokratie hat nun zu einem endgültigen Bruch geführt. Auf einer entscheidenden Tagung in Dresden fassten die sozialdemokratischen Bezirksvorstände Sachsens den Beschluss, die sächsischen Rechtssozialisten mit sofortiger Wirkung aus der Partei auszuschließen.[1] Wie das Hamburger Echo unter Berufung auf die Dresdner Volkszeitung meldet, wurde unmissverständlich erklärt, dass jene Landtagsabgeordneten, die am 25. März dem Antrag auf Auflösung des Landtages ihre Zustimmung verweigerten, nicht länger als Vertreter der Partei gelten können.[2]
Diese harte Maßnahme trifft insbesondere die Minister der amtierenden Regierung, die sich den Anordnungen der Parteiführung widersetzt hatten.[2] Nach Auffassung der Bezirksvorstände haben diese Politiker durch ihr beharrliches Verhalten jeglichen Zusammenhang mit der Sozialdemokratischen Partei gelöst.[1] Die offizielle parlamentarische Vertretung im sächsischen Landtag geht daher auf jene radikalen Abgeordneten über, die sich durchweg auf den Boden der getroffenen Parteibeschlüsse stellen.[2][1]
Um diesen personellen Schnitt formal abzuschließen, wurden die einzelnen Bezirke aufgefordert, den Ausschluss der Rechtssozialisten schnellstens in die Wege zu leiten.[1] Die loyalen Parteigenossen erhielten zugleich die Weisung, jegliche Zusammenarbeit mit den Ausgeschlossenen — darunter auch die bisherigen Regierungsvertreter — strikt abzulehnen.[1]
Die politische Krise in Sachsen beschränkt sich jedoch nicht auf parteiinterne Auseinandersetzungen. In derselben Sitzung wurde nach Berichten der Deutschen Allgemeinen Zeitung der Antrag gestellt, einen gemeinsamen Volksentscheid zu initiieren.[1] Dieser Vorstoß zielt darauf, das amtierende Kabinett Heldt zu stürzen und die Auflösung des Landtages durch den Wähler erzwingen zu lassen.[1] Der sächsische Freistaat steht damit vor einer Zeit erheblicher politischer Erschütterungen.