Der amerikanische Präsident Calvin Coolidge hat die Ernennung von Carmi A. Thompson, dem ehemaligen Staatssekretär im Schatzamt, zum Sonderkommissar offiziell bekanntgegeben.[1] Thompson erhielt den weitreichenden Auftrag, vor Ort jene vielschichtigen Fragen zu untersuchen, die die Verwaltung und die Zukunft der Philippinen betreffen.[1] Von Regierungsseite wird dabei sorgfältig betont, dass die dem Kommissar anvertraute Mission in keinem Zusammenhang mit dem Verbleib des Generals Leonard Wood im Amt des dortigen Generalgouverneurs steht.[1]

Trotz dieser nachdrücklichen amtlichen Dementis geht aus Berichten des Pariser Figaro hervor, dass der Gesandte wohl berufen sein dürfte, die wachsenden politischen Schwierigkeiten auf der Inselgruppe zu beheben.[1] Diese Spannungen entspringen vor allem dem unüberbrückbaren Gegensatz zwischen dem autoritär auftretenden General Wood und der philippinischen Volksvertretung.[1] Es muss daran erinnert werden, dass die philippinische Bevölkerung energisch nach jener Unabhängigkeit strebt, welche ihr von den Vereinigten Staaten in der Vergangenheit wiederholt in Aussicht gestellt, jedoch in der Praxis systematisch verweigert wurde.[1] General Wood gilt in Washington als einer der schärfsten Gegner jeglicher Autonomiekonzessionen.[1] Seine unnachgiebige Haltung erklärt die anhaltenden und sich stetig verschärfenden Reibereien mit dem Inselparlament am deutlichsten.[1]

Die politischen Aussichten auf eine baldige staatliche Eigenständigkeit der Philippinen sind unterdessen als äußerst gering einzuschätzen. Dem Figaro zufolge verfolgen die Vereinigten Staaten ein bedeutendes Vorhaben zum Aufbau ausgedehnter Kautschukplantagen auf dem Archipel.[1] Die erfolgreiche Durchführung dieses wirtschaftlichen Großprojekts würde es der amerikanischen Industrie ermöglichen — und hierin liegt das eigentliche strategische Motiv — sich endlich von der lästigen Vorherrschaft des britischen Kautschukmarktes zu lösen.[1] Solange derartige grundlegende wirtschaftspolitische Interessen der Union auf dem Spiel stehen, muss das sogenannte Freiheitsstreben der Philippiner den Erfordernissen der amerikanischen Wirtschaft weichen.[1]