Die deutsche Wirtschaft betrauert den Verlust eines ihrer bedeutendsten Pioniere. Wie die Pariser Zeitung Le Figaro in einer Depesche aus dem Ruhrgebiet berichtet, ist der Großindustrielle August Thyssen am gestrigen Morgen im Alter von 85 Jahren verstorben.[1] Der Tod ereilte den betagten Unternehmer auf seinem Wohnsitz, dem Schloss Landsberg, das über dem Ruhrtal aufragt.[1]
Mit August Thyssen verliert die rheinisch-westfälische Schwerindustrie eine ihrer prägendsten Persönlichkeiten. Sein Lebenswerk, das einst mit bescheidenen Anfängen in einem kleinen Werk begann, entwickelte sich im Lauf der Jahrzehnte zu einem gewaltigen Montankonzern von internationaler Bedeutung. Dass die Nachricht von seinem Tod weit über die Grenzen des Deutschen Reiches hinaus Beachtung findet, zeigt ein Blick in die Auslandspresse. Laut Berichten des Hong Kong Telegraph, die auf eine kurze Meldung der Agentur Reuters aus Berlin zurückgreifen, wird das Hinscheiden des deutschen Magnaten selbst in Ostasien aufmerksam verfolgt.[2]
Thyssen, der stets als Symbol des unermüdlichen Unternehmergeistes galt, leitete die Geschicke seiner Werke bis ins hohe Alter mit strenger Hand. Sein Tod auf Schloss Landsberg bedeutet den endgültigen Abschluss einer Ära jener Firmenleiter, die den Aufstieg des Reiches zur industriellen Großmacht ermöglichten.[1] Die Nachricht löste an den Finanzplätzen tiefe Betroffenheit aus, dennoch bleibt die Anerkennung für eine außergewöhnliche Lebensleistung, deren Bedeutung weit über das Ruhrgebiet hinausreicht.