Die Pläne des französischen Kriegsministers Painlevé zur umfassenden Heeresreform nehmen konkrete Gestalt an. Wie der Petit Parisien unter Berufung auf General Thevenet meldet, steht im Mittelpunkt des Vorhabens die schrittweise Verkürzung der aktiven Dienstzeit.[1] Die derzeit auf 18 Monate festgelegte Dienstpflicht soll zunächst auf 16 und schließlich auf zwölf Monate reduziert werden.[2]
Um den Wegfall an Ausbildungszeit auszugleichen, plant das Kriegsministerium eine tiefgehende Umgestaltung. Die militärische Ausbildung der Rekruten wird künftig in speziellen Ausbildungsabteilungen konzentriert.[1] Nach Angaben der Deutschen Allgemeinen Zeitung orientiert sich die neue Methode dabei an industriellen Normierungsverfahren.[2] Die Einberufungen finden nicht mehr zweimal, sondern dreimal jährlich statt — am 1. April, am 1. August und im Herbst —, wobei die Stärke einer Jahrgangskohorte von bisher 240.000 auf etwa 300.000 Mann ansteigen wird.[1][2]
Das französische Staatsgebiet bleibt für die Aushebung in 20 Bezirke eingeteilt, die ebenso viele Kriegsdivisionen stellen.[2] Die stehende Armee des Mutterlandes soll künftig eine Stärke von 220.000 voll ausgebildeten Soldaten umfassen.[1] Die Pläne sehen außerdem für die Kolonialtruppen eine besondere Rolle vor: Neben den in Übersee stationierten Einheiten sollen eine weiße und drei gemischte Divisionen dauerhaft in Frankreich garnisoniert werden, um als Verstärkung der Grenztruppen zu dienen.[1]
Da die Rahmenverbände in der neuen Heeresorganisation an Gewicht gewinnen, ist der Ausbau der Berufsarmee unverzichtbar.[2] Die Zahl der freiwillig dienenden Berufssoldaten, die gegenwärtig bei etwa 75.000 liegt, muss nach einhelliger Einschätzung der Militärexperten auf über 100.000 Männer erhöht werden, um die Schlagkraft der Streitkräfte dauerhaft zu sichern.[1][2]