Das Schicksal des südlichsten Teils des deutschen Sprachgebiets bereitet weiterhin größte Sorge. Unter der Herrschaft des faschistischen Italiens ist Südtirol gegenwärtig das Ziel einer systematischen Entnationalisierungspolitik.[1] Die Deutsche Allgemeine Zeitung legt in einem Bericht dar, dass den rund 250.000 Menschen deutschen Volkstums mit aller Gewalt eine fremde Sprache aufgezwungen wird.[1] Vor Gericht, bei den Behörden und in sämtlichen öffentlichen Einrichtungen gilt allein das Italienische.[1]

Besonders rücksichtslos wird die Assimilierung im Bildungswesen durchgeführt. Die Regierung in Rom benutzt die Schule als das wichtigste Mittel ihrer Politik.[1] Vom ersten Tag an an der Lehranstalt darf das Kind nur noch fremde Laute hören, während die eigene Muttersprache ganz verdrängt wird.[1] Für dieses Ziel hat Italien eine große Zahl rein italienischer Lehrkräfte eingestellt.[1] Da diese keinerlei Kenntnisse der deutschen Sprache besitzen, fällt es ihnen schwer, den Schülern auch nur geringfügige Zugeständnisse zu machen.[1] Mit der sogenannten ‚direkten Methode‘ soll das Wunder vollbracht werden, deutsche Kinder zu Italienern zu machen.[1] Das Vorgehen der faschistischen Machthaber zeigt eine Härte, die die restlose Entdeutschung ohne Rücksicht auf historische Gegebenheiten zum Ziel hat.[1]

Dennoch trifft Rom auf ein unüberwindbares Hindernis. Im Gegensatz zu anderen europäischen Grenzgebieten gibt es in Südtirol keine entfremdete Oberschicht, die dem Staat den Anschein von Rechtmäßigkeit für seine Maßnahmen verleihen könnte.[1] Vielmehr durchdringt ein völkisches Bewusstsein alle Schichten, was selbst in diesem kleinen Land spürbar ist.[1] Da das ganze Volk durch die jüngsten Ereignisse stark politisiert wurde, kommt heute dem unteren und mittleren Stand das entscheidende Gewicht zu.[1] Bauern, Arbeiter und Kleinbürger halten angesichts des massiven Drucks umso enger an ihrem Erbe fest und bleiben, was ihre Väter waren.[1]