In Cannes ist der 44-jährige frühere italienische Minister und Führer der demokratischen Opposition, Giovanni Amendola, verstorben.[1] Wie der Vorwärts meldet, erlag der Gründer der renommierten Zeitung Mondo den schweren Verletzungen, die er bei mehrfachen Überfällen durch faschistische Schlägertrupps erlitten hatte.[1] Mit ihm verliert Italien einen der unerschrockensten und fähigsten Gegner des gegenwärtigen Regimes, der sich der Diktatur Benito Mussolinis seit dem Marsch auf Rom im Oktober 1922 stets konsequent entgegengestellt hatte.[1]

Der politische Leidensweg Amendolas verdeutlicht die grausamen Methoden der faschistischen Herrschaft in Italien. Bereits im Dezember 1923 wurde der Abgeordnete auf offener Straße in Rom von Schwarzhemden überfallen und furchtbar zugerichtet.[1] Dem Vorwärts zufolge bewies das später bekannt gewordene Memorandum des damaligen Pressechefs Cesare Rossi, dass Mussolini diesen Anschlag persönlich anordnete und der Milizgeneral Emilio De Bono ihn ausführte.[1] Der Diktator soll sich über den Polizeibericht, der das Entkommen der Täter meldete, zynisch amüsiert haben.[1] Unbeirrt setzte Amendola jedoch seinen Widerstand fort. Auf einer Zusammenkunft der Opposition im November 1924 in Mailand prangerte er an, dass die Regierung den Boden für das Verbrechen bereite.[1] Die damalige Lage in Italien dürfe nicht dazu führen, dass man im unfreien Staat das Verbrechen ungehindert walten lasse.[1] Im Juli 1925 wurde der Politiker während eines Kuraufenthaltes in Montecatini nachts aus seinem Hotel verschleppt und derart brutal misshandelt, dass ihm später drei Rippen operativ entfernt werden mussten.[1] Auch für diese Tat gab es laut dem Vorwärts keinerlei gerichtliche Konsequenzen. Im Gegenteil: Die Schläger erhielten sogar pünktlich eine Amnestie.[1]

Unterdessen versuchen regierungsnahe Kreise offenbar, die politische Verantwortung für das Ableben des demokratischen Führers von sich zu weisen. Nach Berichten der Agentur Havas soll Amendola in einem angeblichen letzten Willen geäußert haben, sein Tod sei auf eine Lungengeschwulst und nicht auf die Gewalttaten zurückzuführen.[1] Das Hamburger Echo bezeichnet diese Darstellung als höchst fragwürdig.[2] Es sei ein offensichtlicher Versuch, all jene kritischen Stimmen zum Schweigen zu bringen, die Mussolini für den Tod des neuerlichen Opfers des Faschismus verantwortlich machen.[2] Auch demokratische Blätter weisen nachdrücklich darauf hin, dass ein mögliches Lungenleiden höchstwahrscheinlich eine direkte medizinische Folge der schweren Operationen nach dem Überfall von Montecatini ist.[1]

Wie sehr das Erbe Amendolas den Machthabern in Rom noch immer verhasst ist, zeigten die brutalen Ausschreitungen der vergangenen Tage. Als Reaktion auf das jüngste Attentat auf Mussolini stürmte eine faschistische Volksmenge das Redaktionsgebäude des von Amendola gegründeten Mondo und versuchte, es vollständig zu zerstören.[2] Zudem wurden oppositionelle Blätter aus den Zeitungsständen gerissen und verbrannt.[2] Das demokratische Lebenswerk des standhaften Freiheitskämpfers bleibt den Faschisten offensichtlich selbst über seinen vorzeitigen Tod hinaus ein Dorn im Auge.[1][2]