In Prag haben die tschechoslowakischen Behörden im Zusammenhang mit der Aufdeckung geheimer hakenkreuzlerischer Militärorganisationen umfangreiche Haussuchungen durchgeführt. Die Polizei durchsuchte unter anderem die Redaktion der Troppauer nationalsozialistischen Zeitung „Die tu Zeit“ sowie die Wohnungen mehrerer Parteifunktionäre. Besonders betroffen waren der nationalsozialistische Parteisekretär Pechtl und der Parlamentsberichterstatter Kschovak. Bei Kschovak wurde unter anderem das Konzept einer vor zwei Jahren gehaltenen Rede beschlagnahmt. Auch bei mehreren deutschen Persönlichkeiten in Prag fanden Durchsuchungen statt, ohne dass die Polizei nähere Gründe angab. Die Maßnahmen unterstreichen die entschlossene Haltung der tschechoslowakischen Sicherheitsbehörden gegenüber dem Erstarken dieser verborgenen Organisationen und machen die fortwährende Besorgnis über die politischen Aktivitäten dieser Kreise in der Region deutlich.[1]
Razzia gegen Hakenkreuzler — Hausdurchsuchungen in Prag
Geheime Organisationen aufgedeckt — Polizeimaßnahmen gegen nationalsozialistische Funktionäre
Prag, 8. April.
Historische Einordnung
Die Razzien gegen hakenkreuzlerische Gruppierungen in Prag stehen im Zusammenhang mit der angespannten politischen Lage in der Tschechoslowakei während der 1920er Jahre. Damals wurden nationalistische und extremistische Bewegungen von den Behörden sorgfältig überwacht. Mit diesen Maßnahmen wollte die Polizei der heimlichen Bildung militärisch organisierter nationalsozialistischer Zusammenschlüsse entgegentreten. In den folgenden Jahren blieb die innerpolitische Lage in der Tschechoslowakei angespannt, was sich auch auf das Verhältnis zu den deutschen Minderheiten auswirkte.
- Berliner Tageblatt (Deutsche Digitale Bibliothek) 1926-04-08