Die Regierungskrise im Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen hat eine rasche Lösung gefunden. Nachdem der bisherige Ministerpräsident Nikola Pasic von seinem Amt zurückgetreten war, übertrug der König dem früheren radikalen Minister Nikola Uzunovic das Mandat zur Regierungsbildung.[1] Dem Pariser Temps zufolge erklärte der neue Regierungschef gegenüber Journalisten, er habe den ausdrücklichen Auftrag erhalten, „die Politik des serbisch-kroatischen Einvernehmens aufrechtzuerhalten“.[1] Er beabsichtige daher, eine Regierung zu bilden, die sich auf die beiden stärksten parlamentarischen Gruppen — die Radikalen und die Anhänger von Stjepan Radic — stützen könne.[1] Dieser Ankündigung folgten unmittelbare Schritte: Bereits am frühen Donnerstagabend legte das neu formierte Kabinett seinen Eid in die Hände des Monarchen ab.[2]

Der politische Durchbruch wurde durch weitreichende Zugeständnisse auf beiden Seiten ermöglicht. Wie die Neue Freie Presse aus Belgrad meldet, war der Rücktritt des greisen Pasic vom Vorsitz der Regierung eine der wichtigsten Forderungen, die Radic und dessen politische Unterstützer erhoben hatten.[2] Nachdem diese Bedingung erfüllt worden war, verzichtete der kroatische Bauernführer seinerseits auf die ursprünglich verlangte Einberufung der Skupschtina vor dem 5. Mai.[2] Die schwerste Hürde bei den Verhandlungen stellte die Debatte über die Interpellationen der Opposition dar. Diese betrafen die Korruptionsskandale, in die Rada Pasic (Rade Pašić), der Sohn des bisherigen Ministerpräsidenten, verwickelt sein soll.[2] In dieser heiklen Angelegenheit konnte schließlich ein Kompromiss erzielt werden.[2] Die radikale Partei erklärte sich einverstanden, dass die Interpellationen in kürzester Zeit auf die Tagesordnung des Parlaments gesetzt werden.[2] Im Gegenzug willigte Radic ein, dass die gerichtliche Aufarbeitung der Affäre „dem ordentlichen Gerichtsverfahren und nicht einer parlamentarischen Kommission überlassen wird“.[2]

Nachdem in den entscheidenden Punkten Einigkeit erzielt worden war, gestaltete sich die eigentliche Kabinettbildung nach Angaben der Wiener Berichterstatter zur bloßen Formsache.[2] Es wurde größtenteils das bisherige Kabinett wieder eingesetzt, nun jedoch unter der Präsidentschaft von Uzunovic.[2] Eine bemerkenswerte personelle Veränderung trat im Finanzministerium ein: Der bisherige Ressortchef Dr. Milan Stojadinovic verzichtete freiwillig auf sein Amt. Deshalb wurde der neue Ministerpräsident vorübergehend mit der Leitung der Staatsfinanzen betraut.[2] In parlamentarischen Kreisen wird vermutet, dass das Finanzministerium innerhalb weniger Tage von dem radikalen Abgeordneten Dr. Ninko Peric übernommen wird. Dieser hatte zuvor das Verkehrsministerium geleitet.[2] Anstelle von Uzunovic bekam Milorad Vujicic (Milorad Vujičić) das Portefeuille für öffentliche Arbeiten übertragen. Vujicic war in den Jahren 1922 bis 1923 bereits als Innenminister tätig.[2]

Die Zusammensetzung des neuen Ministeriums zeigt das Bemühen, die empfindliche Balance im Vielvölkerstaat zu wahren. Wie im vorangegangenen Kabinett gehören der neuen Regierung zwölf Serben und fünf Kroaten an.[2] Neben Uzunovic bleibt Dr. Momcilo Nincic (Momčilo Ninčić) im Ressort für Auswärtige Angelegenheiten, während Boza Maksimovic (Boža Maksimović) das Innenressort und Marko Gjuricic (Marko Đuričić) das Justizministerium leitet.[2] Stjepan Radic selbst steht dem Unterrichtsministerium vor, und die umstrittene Agrarreform obliegt Pavle Radic (Pavle Radić).[2] General Dusan Trifunovic (Dušan Trifunović) führt weiterhin die vereinigten Ressorts für Krieg und Marine.[2] Weitere wichtige Posten erhielten Misa Trifunovic (Miša Trifunović) für den Kultus, Kosta Miletic (Kosta Miletić) für den Verkehr sowie Dr. Ivan Krajac (Ivan Krajač) für den Handel.[2] Aus dem Kabinettsverzeichnis der Neuen Freien Presse geht zudem hervor, dass Dr. Benjamin Suparina (Benjamin Šuperina) Post und Telegrafie übernimmt, Dr. Milan Srskic (Milan Srškić) die Unifikation leitet und Dr. Vasa Jovanovic (Vasa Jovanović) für den Ackerbau verantwortlich ist.[2] Mit dieser Kontinuität in den Schlüsselressorts will die Koalition das tief verwurzelte Misstrauen abbauen und dem Land eine arbeitsfähige Verwaltung sichern.