Die griechische Republik wird von gefährlichen inneren Erschütterungen heimgesucht. Wie aus übereinstimmenden Meldungen hervorgeht, ist es in Saloniki zu einer groß angelegten Militärmeuterei gekommen, die sich unmittelbar gegen die Herrschaft des Diktators Theodoros Pangalos richtet.[1] Bisherigen Berichten zufolge brodelte die Unzufriedenheit innerhalb der Truppenteile schon seit geraumer Zeit.[1]

Nach Angaben der Neuen Freien Presse wurde in den frühen Morgenstunden des 9. April das Zeichen zum offenen Ausstand gegeben. Gegen halb zwei Uhr feuerten Artilleristen der Garnison zwei Kanonenschüsse ab. Daraufhin verließen rund fünftausend Soldaten in voller Kriegsausrüstung ihre Kasernen.[2] Sie führten acht Feldkanonen mit sich und marschierten über Wardar Kapu in die Gegend der Villa Allatini. An jenem historischen Ort war einst der abgesetzte osmanische Sultan Abdülhamid II. interniert.[2] Unterdessen meldet das Harburger Tageblatt, dass aufständische Offiziere mit einigen Kompanien auch die städtische Zitadelle besetzten.[1]

Die Führung der Revolte übernahmen Männer, die zuvor dem engsten Umfeld des Machthabers angehörten. An der Spitze standen der Kommandant des 3. Feldartillerieregiments, Oberst Bakardzis, und Major Karabulat.[2] Letzterer hatte zuvor als Generalstabschef gedient, als General Pangalos noch Korpskommandant in Saloniki war.[2] Ein vom Kriegsministerium in Athen zunächst verbreiteter Bericht, wonach die Beweggründe der Offiziere rein materieller Art seien, erwies sich rasch als taktische Beschwichtigung.[3][4]

Die Revolutionäre, die mehrheitlich aus Gendarmerietruppen bestanden, richteten vielmehr ein scharfes politisches Memorandum an das in Saloniki stationierte Armeekorps. Sie forderten den sofortigen Rücktritt von Pangalos und die Einsetzung einer neutralen Regierung, welche unverzüglich freie Wahlen durchzuführen habe.[3][2] Bis zum Abschluss dieses Urnenganges solle Präsident Pavlos Konduriotis im Amt verbleiben.[2] Weiter verlangten die Offiziere die Wiederherstellung der Pressefreiheit, die Freilassung aller politischen Gefangenen sowie die ungehinderte Rückkehr der Verbannten.[3][2] Für den Fall einer Ablehnung drohten die Aufständischen unverhohlen mit der Bombardierung der Stadt.[2]

Die Zentralregierung reagierte mit militärischer Härte. Athen entsandte vier Infanterieregimenter aus dem Landesinneren, während die griechische Kriegsflotte vor Saloniki in Stellung ging.[3][2] Die meuternden Truppen schlugen ihr Hauptquartier in der eroberten Radiostation bei der Villa Allatini auf und verfügten zusätzlich über vier Automobilkanonen.[2] Sie lehnten ein erstes Ultimatum zur unbedingten Übergabe ab.[2] Daraufhin entwickelte sich ein heftiges Feuergefecht mit loyalen Regierungstruppen.[2] Laut der Sächsischen Staatszeitung war der Kanonendonner noch im fernen Monastir deutlich zu vernehmen.[3] Gerüchte besagten zeitweise, dass Teile der Fliegertruppen zu den Rebellen übergelaufen seien.[2]

Die Revolte brach schließlich nach wenigen Stunden zusammen, als der militärische Druck zu groß wurde. Wie das Hamburger Echo meldet, ergaben sich die Führer der Meuterei sowie etwa zweihundert verbliebene Soldaten dem Kommandeur des Armeekorps bedingungslos.[4] Sie sollen auf Kriegsschiffen nach Athen überführt und vor ein Kriegsgericht gestellt werden.[2] Aus dem übrigen Griechenland, insbesondere aus Thrakien, dem Epirus und den anderen mazedonischen Gebieten, wird vollkommene Ruhe gemeldet.[3][4]