Das norwegische Luftschiff Norge hat auf seinem Flug zum Nordpol eine wichtige Etappe bewältigt und ist auf dem englischen Flugfeld Pulham eingetroffen.[1] Die Fahrt, die am 10. April in Rom begonnen hatte, endete am Sonntagnachmittag mit einer äußerst schwierigen Landung.[2][1] Mehrere tausend Schaulustige hatten sich auf dem Gelände versammelt, um das imposante Gefährt zu begrüßen.[3] Wie die Wiener Zeitung berichtet, flog das Schiff wiederholt auf den durch weiße Zeichen markierten Landeplatz zu und musste in weiten Kreisen wenden, ohne den Boden berühren zu können.[1] Dem Hufvudstadsbladet zufolge erschwerte der Umstand, dass durch den Treibstoffverbrauch ein erheblicher Gewichtsverlust eingetreten war, bei frischem Nordwind das Manöver beträchtlich.[3] Erst nach zweistündigem Bemühen gelang es der Besatzung gegen 17.40 Uhr, zwei Ankertaue herabzulassen. Der Riese wurde daraufhin unbeschädigt in die Halle eingebracht.[1][3]

Major Scott, der die Strecke als Navigationsoffizier begleitete, zeigte sich über die Leistung des Schiffes hochzufrieden und bezeichnete die Norge als das wohl beste Konstrukt, das für eine derartige Polarexpedition zu beschaffen war.[3] Die etwa 1400 Meilen von Italien nach England seien in dreißig Stunden bei einer Durchschnittshöhe von tausend Fuß zurückgelegt worden.[1] Leutnant Larsen, der den Flug ebenfalls mitmachte, erklärte, das Schiff habe alle Erwartungen übertroffen, und er sei vollkommen sicher, dass das große Ziel am Nordpol erreicht werde.[1] In Pulham wird die Norge nun für die nächste Etappe ausgerüstet. Nach Berichten der Washington Post isolieren Techniker die Ventilatoren gegen Eisbildung und schützen die Motoren vor arktischem Frost.[4] Zugleich nimmt die Besatzung Proviant, warme Kleidung, Waffen und Munition sowie Fallschirme für jedes Mannschaftsmitglied an Bord.[4] Für den äußersten Notfall führt der Expeditionsleiter Roald Amundsen mehrere Polarhunde samt Geschirr und Schlitten mit, um eine Fortbewegung im Eis zu ermöglichen.[2] Kommandant Umberto Nobile plant, bei geeignetem Wetter bald in Richtung der norwegischen Hauptstadt Oslo aufzubrechen.[4]

Die Reise der Norge steht im Zeichen eines internationalen Wettbewerbs, denn gegenwärtig konkurrieren drei Expeditionen darum, als erste den Nordpol aus der Luft zu überqueren.[3] Während Amundsen plant, von Spitzbergen nach Alaska zu fliegen, ist der australische Forscher Hubert Wilkins bereits mit zwei Flugzeugen in Alaska eingetroffen, um von Point Barrow aus vorzustoßen.[3] Gleichzeitig beabsichtigt der Amerikaner Richard Byrd, von Spitzbergen aus mit einem dreimotorigen Flugzeug zum Pol aufzubrechen.[3]

Unterdessen laufen auch in der Sowjetunion umfangreiche Vorbereitungen, um der Expedition bei einer möglichen Notlandung Hilfe leisten zu können. Die Prawda meldet, dass die hydrografischen Stationen von Murmansk über Archangelsk bis nach Nowaja Semlja in Bereitschaft versetzt wurden.[2] Alle Radiostationen im Nordwesten Russlands sind angewiesen, Funk- und Telegrammsprüche der Expedition umgehend weiterzuleiten.[2] Bei einem nächtlichen Eintreffen über sowjetischem Gebiet sollen Scheinwerfer und Signalfeuer nicht nur den Landeplatz beleuchten, sondern auch die Windrichtung anzeigen, da das Luftschiff stets gegen den Wind landen muss.[2] Bemerkenswert ist zudem ein Projekt des Physikalisch-Mathematischen Instituts der Akademie der Wissenschaften in Leningrad: Im Falle einer ungeplanten Landung in der polaren Ödnis sollen die Teilnehmer Sprengungen vornehmen. Die Erschütterungen dieser Detonationen können von den hochempfindlichen Instrumenten seismischer Stationen erfasst werden, sodass der genaue Standort der Verunglückten berechnet werden kann.[2]