In Südfrankreich ist ein aufsehenerregender Fall von Landesverrat aufgedeckt worden. Die Kriminalpolizei griff zu, nachdem der französische Abwehrdienst bereits seit Monaten ein Leck zugunsten einer benachbarten Mittelmeermacht vermutet hatte.[1][2] Bei dieser Macht soll es sich um Italien handeln.[1] Laut dem Pariser Figaro handelt es sich bei den Verhafteten um die französischen Staatsbürger Georges Latapie, einen 31-jährigen Uhrmacher aus der Rue Barla, und um den 36-jährigen Lebensmittelhändler André Procope, einen ehemaligen Kasinoangestellten, der in der Avenue Barriglioni ansässig ist.[1]
Die Beschuldigten haben offenbar umfassende Geständnisse abgelegt.[2] Aus der Sächsischen Staatszeitung, die sich auf Meldungen der Nachrichtenagentur Havas stützt, geht hervor, dass die Männer hochbrisante Dokumente über die Organisation des Nachrichtenbüros im Kriegsministerium an die fremde Macht auslieferten.[2] Darüber hinaus gaben sie detaillierte Auskünfte über die Dispositionen der französischen Marine im Mittelmeer preis.[2] Der Verrat war äußerst lukrativ: Als Entschädigung bezog Procope monatlich 3000 Francs, während Latapie mit 2000 Francs entlohnt wurde.[2]
Trotz der Schwere der Vorwürfe scheinen die Täter keine Meisterspione zu sein. Dem Figaro zufolge gelten beide Männer als ungebildet und mittellos.[1] Sie waren der örtlichen Polizei keineswegs unbekannt. Bereits vor sechs Monaten waren Latapie und Procope unter ähnlichem Verdacht festgenommen worden, jedoch mangels Beweisen wieder auf freien Fuß gesetzt worden.[1] Die Ermittler betrachten sie nun als Mitschuldige zweiten Ranges innerhalb einer weitaus größeren Spionageorganisation, deren Hintermänner noch im Dunkeln operieren.[2] Der Untersuchungsrichter Payre führt die weiteren Ermittlungen auf Grundlage des Spionagegesetzes von 1886.[1] Weitere Verhaftungen an der Riviera dürften unmittelbar bevorstehen.[2]