Die offene Spaltung der sozialdemokratischen Partei im Freistaat Sachsen ist vor dem Landtag offiziell vollzogen worden.[1] Zu Beginn der gestrigen Landtagssitzung teilte Präsident Winkler ein Schreiben der sächsischen Parteileitung mit.[1] Darin wurde festgestellt, dass jene Landtagsabgeordneten, die am 25. März gegen die Landtagsauflösung gestimmt hatten, nicht länger als Vertreter der Partei oder der sächsischen Wählerschaft gelten könnten.[1] Die Vertretung der Sozialdemokratie liegt nun in den Händen der 12 Abgeordneten um Arthur Arzt, für die ein neues Fraktionszimmer beantragt wurde. Auch die Sitzordnung im Plenum wurde neu geregelt.[1] Die bisherigen Minister der Regierung Heldt sind ebenfalls vom Parteiausschluss betroffen.[1]
Im Namen der 23 ausgeschlossenen, vormals der Fraktionsmehrheit angehörenden Abgeordneten, gab daraufhin der Abgeordnete Wirth eine scharfe Gegen-Erklärung ab.[1] Er warf der Parteiführung vor, durch ihre politische Einstellung und organisatorische Maßnahmen das Interesse der sächsischen Arbeiterschaft nicht mehr zu vertreten.[1] Die Badische Presse ergänzt hierzu aus der Erklärung, die radikale linke Parteileitung habe die Partei zerrissen und die Parteimoral so gelockert, dass „Konjunkturjägern und Worthelden“ der Boden bereitet worden sei.[2] Dies habe bei den alten ehrlichen Kämpfern eine tiefe Parteiverdrossenheit ausgelöst.[2]
Die ausgeschlossene Mehrheit betonte laut der Sächsischen Staatszeitung, dass sie in voller Erkenntnis der Lage und mit Billigung des Heidelberger Parteitages in die Koalition eingetreten sei, um konstruktive Staatsarbeit zu leisten.[1] Der Boykott gegen die 23 Abgeordneten sei auch nach den Beschlüssen des Reiches weitergeführt worden.[1] Für die Landtagsfraktion der Kommunisten ergriff der Abgeordnete Böttcher das Wort und richtete einen Angriff auf die Regierungskoalition.[1] Er sah in der Abspaltung eines erheblichen Teils der Führerschaft eine Vorbereitung kommender Richtungskämpfe in der Arbeiterschaft. Überdies sprach er der aktuellen Regierungskoalition jede parlamentarische Mehrheit im Land ab.[1] Die 23 Ausgeschlossenen bezeichnete er als „Klüngel verkrachter Gewerkschaftsbonzen“ und forderte die Unterstützung des Volksbegehrens zur Auflösung des Landtages.[1] Die Klärung der Machtverhältnisse im sächsischen Parlament bleibt unentschieden, da die 23 rechtssozialistischen Abgeordneten ihren Kurs der Mitarbeit weiter fortsetzen wollen.[2]