Der italienische Ministerpräsident Benito Mussolini hat seine aufsehenerregende Reise durch Tripolitanien beendet und sich an Bord des Kriegsschiffes Cavour auf die Rückreise begeben.[1] Sein Besuch in der nordafrikanischen Kolonie stand ganz im Zeichen einer machtvollen Demonstration faschistischer Expansionsbestrebungen. Wie der Pariser Figaro meldet, erklärte Mussolini bei der Eröffnung eines landwirtschaftlichen Kolonialkongresses in Tripolis unmissverständlich, der Faschismus werde die kolonialen Probleme Italiens ebenso rasch lösen, wie er bereits andere jahrzehntealte Fragen bewältigt habe.[1]
Während seines Aufenthalts besichtigte der Regierungschef ausgedehnte landwirtschaftliche Konzessionen in Tripolis und Tadjoura.[1] Mussolini wurde dort sowohl von den Behörden als auch von der einheimischen Bevölkerung und den Siedlern feierlich empfangen.[1] Die historische Symbolik der Reise erreichte in Leptis Magna, der Geburtsstadt des römischen Kaisers Septimius Severus, ihren Höhepunkt. Laut Berichten des Temps nutzte der italienische Führer die Kulisse der antiken Ruinen, um die ruhmreiche Vergangenheit des Römischen Reiches zu beschwören und daraus weitreichende Versprechungen für die eigene Zukunft abzuleiten.[2] Auch in Homs, das er mit dem Automobil erreichte, präsentierte er sich der Menge.[2]
Den Kern der faschistischen Doktrin in Übersee bildete jedoch das demografische Argument. Die Deutsche Allgemeine Zeitung zitiert eine Rede Mussolinis, in der er die harte Arbeit der Kolonisten rühmte. Er betonte, die das Land bebauenden Patrizier seien würdiger als jene, die in modernen Hotels tanzten.[3] Schließlich gipfelten seine Ausführungen in der Feststellung, Italien brauche dringend neues Land, da das Volk kinderreich sei und dies auch bleiben wolle.[3] Die wachsende Nation dulde keine Begrenzungen. Nach Angaben des Temps fügte er martialisch hinzu, Italien werde jeden Einkreisungsversuch zerschlagen, da es über drei Millionen wehrhafter junger Männer verfüge.[2]
Die außenpolitischen Auswirkungen dieser Machtdemonstration sind beträchtlich. In der französischen Kammer reichte der kommunistische Abgeordnete André Berthon bereits eine Interpellation ein, in der nach den Konsequenzen des Tripolis-Besuchs und der faschistischen Agitation in Tunesien gefragt wurde.[2] Gleichzeitig befasst sich die italienische Auslandspresse ausführlich mit der weltweiten Verteilung von Territorien. Das Giornale d'Italia lehnt eine Bevorzugung deutscher Kolonialbestrebungen strikt ab und weist angebliche Versprechungen von Locarno zurück.[3] Der Popolo d'Italia zeigt sich offen für ein mitteleuropäisches ‚koloniales Ventil‘, verteidigt jedoch das Vorrecht des italienischen Siegers energisch.[3] Dass Rom seinen Worten sogleich Taten folgen lässt, zeigt eine militärische Meldung aus Ostafrika: Eine Abteilung italienischer Truppen ist von Mogadischu im nördlichen Somaliland gelandet, um dort die unmittelbare Herrschaft des Mutterlandes gewaltsam zu festigen.[3]