Der polnische Ministerpräsident und Außenminister Graf Skrzynski weilt derzeit in der österreichischen Hauptstadt, um die diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen beider Staaten zu vertiefen.[1] Wie die Neue Freie Presse ausführlich berichtet, gipfelt der Besuch in der Unterzeichnung eines neuen Schiedsvertrages, der an die Stelle des bisherigen Abkommens treten soll.[1]

Am Donnerstagnachmittag empfing Bundespräsident Dr. Hainisch den polnischen Gast, der in Begleitung des Gesandten Wierusz-Kowalski erschienen war.[1] In einer längeren Unterredung erkundigte sich der Bundespräsident nach dem Befinden des polnischen Staatspräsidenten Wojciechowski und überreichte Graf Skrzynski die Insignien des Großen Goldenen Ehrenzeichens am Bande.[1]

Am Abend gab Bundeskanzler Dr. Ramek ein Festessen, an dem zahlreiche Minister und Diplomaten beider Länder teilnahmen.[1] In seiner Begrüßungsansprache betonte der Kanzler, dass Österreich und Polen entschlossen seien, den Schiedsgedanken in moderneren Formeln zu verwirklichen.[1] Der Vertragsabschluss verkünde aller Welt, dass beide Völker von aufrichtiger Freundschaft erfüllt seien und friedliche Mittel zur Streitschlichtung erweitern wollten.[1] Aus Anlass der Anwesenheit des polnischen Gastes erhielt der Kanzler zudem das Großkreuz des Ordens Polonia Restituta.[1]

Dem Bericht der Neuen Freien Presse zufolge antwortete Graf Skrzynski in deutscher Sprache.[1] Er hob hervor, dass man weiterkämpfen müsse, um die Welt aus dem Nachkriegselend einer besseren Zukunft entgegenzuführen — eine Aufgabe, die ein wachsendes internationales Solidaritätsbewusstsein erfordere.[1] Ausdrücklich bezog sich der polnische Ministerpräsident auf die Verträge von Locarno, die gegen niemanden gerichtet seien. Zudem erklärte er, dass er erwarte, die politische Annäherung werde auch zu einem Ausbau der wirtschaftlichen Beziehungen führen.[1]