Die erschreckende Häufung von Verzweiflungstaten in der Reichshauptstadt reißt nicht ab. Wie die Badische Presse meldet, ging der gestrige Sonntag mit fünf vollendeten Selbstmorden und sieben weiteren Versuchen als besonders tragischer Tag in die städtische Kriminalstatistik ein.[1] Ein makabrer Kontrast zeigte sich dabei zu den offiziellen Feierlichkeiten: Dem Vorwärts zufolge fielen diese erschütternden Ereignisse genau auf den Eröffnungstag der Reichsgesundheitswoche.[2] Diese Woche soll im Kern dazu beitragen, dass die Bürger „gesund und glücklich durch das Leben schreiten“.[2]
Die lokale Chronik nennt als hauptsächliche Beweggründe für die Taten ein weites Spektrum an Nöten — von schwerer Krankheit über drückende Arbeitslosigkeit bis hin zu privatem Kummer.[2] In Beobachterkreisen wird betont, dass die seelische Widerstandskraft vieler Hauptstadtbewohner durch die andauernde wirtschaftliche Not zerrüttet ist.[2] Solange sich die sozialen Verhältnisse nicht praktisch bessern, bleibt die Zahl jener Menschen hoch, die ihr Leben aufgeben und sich dem schwierigen Daseinskampf nicht mehr stellen.[2]