In Kürze laufen die Verträge zwischen Rumänien, Jugoslawien und der Tschechoslowakei ab, die das Fundament der Kleinen Entente bilden.[1] Wie die Deutsche Allgemeine Zeitung berichtet, machen sich in diplomatischen Kreisen Bukarests bereits intensive Bemühungen bemerkbar, das Bündnissystem neu zu ordnen.[1] Die nächste ordentliche Konferenz der drei Außenminister, die ursprünglich im Mai im südslawischen Bled stattfinden sollte, wurde wegen der bevorstehenden rumänischen Wahlen auf den Monat Juni verschoben.[1] Dort soll die vertragliche Erneuerung vollzogen werden.[1]
Rumänischerseits plant man, die neuen Vereinbarungen nach dem Vorbild des bestehenden polnisch-rumänischen Defensivvertrages auszugestalten.[1] Darüber hinaus wird die Bukarester Regierung versuchen, den formellen Beitritt Polens zur Kleinen Entente zu erreichen.[1] Diese diplomatische Annäherung erscheint umso folgerichtiger, weil die tschechoslowakische Diplomatie bereits jetzt eng mit Warschau zusammenarbeitet.[2] Nach Angaben der Badischen Presse vertritt der Prager Außenminister Eduard Benesch auf der kommenden Völkerbundtagung ohnehin nicht nur die Interessen der Kleinen Entente. Er handelt dort zugleich auch im Einvernehmen mit Polen.[1][2]
Dass eine solche Erweiterung des Bündnisses erhebliche Konsequenzen für die osteuropäische Sicherheitspolitik hätte, steht außer Frage. Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussionen um neue deutsch-russische Verträge, denen die Regierungen in Prag und Warschau mit Bedenken begegnen, suchen die Anrainerstaaten einen verlässlicheren Rahmen.[1] Ob sich Jugoslawien und die Tschechoslowakei der rumänischen Initiative zur vollen Aufnahme Polens anschließen werden, müssen die Verhandlungen in Bled zeigen.[1]