In den Vereinigten Staaten stößt der Gesetzentwurf zur Freigabe des im Krieg beschlagnahmten deutschen Privateigentums auf unerwartete Hindernisse.[1] Nach Auffassung gut unterrichteter Kreise haben sich die Aussichten für die im Kongress debattierte Mills-Vorlage massiv verschlechtert, nachdem der demokratische Abgeordnete Garner schwere Vorwürfe gegen deren maßgebliche Urheber erhoben hat.[1] Wie das Berliner Tageblatt aus New York berichtet, attackierte Garner sowohl den Abgeordneten Mills als auch US-Finanzminister Mellon wegen eines direkten Interessenkonfliktes.[1]
Laut Garners Ausführungen im Repräsentantenhaus sei Mellon, der den Entwurf ursprünglich ausgearbeitet habe, Aktionär von fünf Unternehmen. Diese Unternehmen fordern derzeit hohe Zahlungen von der Deutsch-Amerikanischen Gemischten Kommission.[1] Garner habe nach der Sitzung gegenüber der Presse zudem präzisiert, dass Mills selbst den Vorsitz der Mergenthaler Linotype Company innehabe. Diese Gesellschaft mache ebenfalls bedeutende Ansprüche gegen Deutschland geltend.[1] Dies waren für die republikanische Mehrheit peinliche Enthüllungen. Sie veranlassten Mills dazu, seine eigene Vorlage vorerst zurückzuziehen.[1]
Der republikanische Abgeordnete Madden, Vorsitzender des Bewilligungsausschusses, versuchte derweil, die Wogen zu glätten. Er betonte die Einigkeit des Hauses darüber, dass Deutschland seine Schulden unzweifelhaft selbst bezahlen werde.[1] Dennoch formiert sich starker Widerstand gegen den Plan, amerikanische Kriegsansprüche durch die Ausgabe spezieller Obligationen auf den US-Steuerzahler abzuwälzen. Im Gegenzug soll deutsches Eigentum rasch freigegeben werden.[1] Dem Berliner Tageblatt zufolge beurteilt die amerikanische Auslandspresse die Situation zunehmend pessimistisch: Die demokratisch ausgerichtete Zeitung World befürchtet, dass die Debatte um persönliche finanzielle Interessen der Initiatoren die Verabschiedung des Gesetzes in der laufenden Sitzungsperiode endgültig blockieren dürfte.[1]