In der bayerischen Landeshauptstadt sorgen alarmierende Berichte über drohende Umsturzversuche für erhebliches Aufsehen. Wie das Berliner Tageblatt unter Berufung auf Enthüllungen der Münchener Post meldet, tragen sich Anhänger einer völkischen Diktatur sowie überzeugte Monarchisten mit ernsten Putschplänen für den kommenden Mai.[1] Bemerkenswert ist dabei, dass die Vorbereitungen nicht nur die Nationalsozialisten betreffen. Auch andere Gruppen der äußersten Rechten, deren schwarz-weiß-rote Gesinnung sich mit weiß-blauen Ambitionen mischt, sind davon erfasst.[1] Laut der Neuen Freien Presse beabsichtigen die Verschwörer, die Taktik vom November 1923 diesmal mit größerem Erfolg zu wiederholen.[2]

Die treibende Kraft hinter diesen Umsturzgelüsten ist die tiefe Verunsicherung in rechtsradikalen Kreisen über das Volksbegehren zur Fürstenenteignung sowie über die aktuelle Debatte zu Reichsreform und Staatsvereinfachung.[1] Das Hamburger Echo präzisiert, dass bestimmte Münchener Offizierskreise um Kronprinz Rupprecht von Wittelsbach vorwiegend aus Sorge um den Ausgang dieses Volksentscheids über einen monarchistischen Putsch nachdenken. Ihr Ziel ist es, den Besitzstand der Wittelsbacher notfalls mit Gewalt zu sichern.[3] Zugleich schöpfen diese Kreise Mut aus der internationalen Lage. Die jüngsten Ereignisse in Genf deuten sie als Scheitern der Locarno-Politik, während das Regime Mussolinis jenseits der Alpen von ihnen als Vorbild betrachtet wird.[1]

Besonders beunruhigend sind die Nachrichten über konkrete militärische Vorbereitungen in Nordbayern. Dem Berliner Tageblatt zufolge halten verschiedene vaterländische Verbände dort gemeinsame Waffenübungen ab.[1] Die Mannschaften sind vollständig mit Militärgewehren ausgerüstet und erhalten ihre Munition durch die jeweiligen Ortsgruppenführer.[1] In jüngster Zeit sind sogar Waffenscheine ausgegeben worden, die ihren Trägern im Fall eines Aufrufes durch die Staatspolizeibehörde den Dienst mit der Waffe und die Durchführung von Festnahmen gestatten sollen.[1] Ferner kursieren Pläne, Bayern im Falle eines erfolgreichen Volksentscheides gegen den Norden der Republik abzuriegeln. Damit wollen die Beteiligten verhindern, dass die politischen Wirkungen auf den Freistaat übergreifen.[1]

In informierten Kreisen wird vermutet, dass auch Adolf Hitler über diese monarchistischen Pläne unterrichtet ist. Seine zuletzt besonders provozierende Sprache wird darauf zurückgeführt.[3] Ein Einverständnis zwischen Hitler und den radikal-monarchistischen Offizierskreisen besteht jedoch nach diesen Informationen nicht.[3]

Die bayerische Staatsregierung bemüht sich inzwischen, die Lage zu beruhigen. Laut einer Mitteilung des Landesdienstes des Süddeutschen Korrespondenzbüros liegen den Behörden keinerlei Anhaltspunkte für Putschabsichten vor.[2] Von amtlicher Seite wird betont, es fehle jeder Grund, einen Putsch auch nur für möglich zu halten, und es bestehe für die Völkischen kein Anlass zu handeln.[1] Das Hamburger Echo kommentiert diese Dementis mit Skepsis und erinnert daran, dass Gustav von Kahr einen Tag vor dem Hitler-Putsch ähnlich abwiegelnde Erklärungen abgegeben habe.[3] Die Münchener Arbeiterschaft hat die Warnungen zur Kenntnis genommen und bereitet Gegenmaßnahmen vor, um mögliche Überraschungserfolge der Rechten zu verhindern.[1]