Die langwierigen Verhandlungen über die Regelung der französischen Kriegsschulden an die Vereinigten Staaten scheinen einen entscheidenden Durchbruch erzielt zu haben. Wie aus Washington gemeldet wird, haben sich der amerikanische Finanzminister Andrew Mellon und der französische Botschafter Henry Bérenger auf die Bedingungen für eine Konsolidierung der französischen Verbindlichkeiten geeinigt.[1][2] Dem Vernehmen nach sieht der neue Regelungsentwurf vor, dass Frankreich eine Summe an Amerika zahlt, die etwa der Hälfte des ursprünglich geschuldeten Kapitals nebst Zinsen entspricht.[1][2]
Ministerpräsident Aristide Briand unterrichtete den Auswärtigen Ausschuss des Senats bereits über den prinzipiellen Abschluss des Abkommens.[3] Nach Angaben Briands werden in dem Vertrag die kommerziellen und politischen Schulden zusammengelegt.[3][2] Frankreich verpflichtet sich demnach, Annuitäten zu leisten. Diese beginnen in den ersten Jahren mit 25 Millionen Dollar — wovon 20 Millionen auf Zinsen für den Erwerb amerikanischer Heeresbestände aus dem Jahr 1919 entfallen — und sollen in den Folgejahren schrittweise auf über 100 Millionen Dollar ansteigen.[3][2] Der Tilgungszeitraum ist auf 62 Jahre festgesetzt.[3][1] Es wird erwartet, dass der amerikanische Kongress noch vor seiner Vertagung am 15. Mai über das Abkommen abstimmen kann.[2]
Ein wesentlicher Streitpunkt der bisherigen Verhandlungen war die sogenannte Schutzklausel. Diese sollte Frankreichs Zahlungsverpflichtungen an die Eingänge der deutschen Reparationszahlungen binden. Die formelle Klausel ist in dem neuen Abkommen nicht mehr enthalten, was laut Berichten der Washington Post bereits zu Protesten einiger französischer Senatoren geführt hat.[3] Gleichwohl wurde vereinbart, die französische Zahlungsfähigkeit künftig nach den Beträgen zu prüfen, die von Deutschland eingezogen werden können.[3][1]
Der Pariser Figaro betont die positiven Aspekte dieser Regelung. Durch die zunächst geringen Anfangszahlungen kann Frankreich seinen ersten Verpflichtungen nachkommen. Für spätere, höhere Raten bleibt ein gewisser Spielraum zur Neuverhandlung, falls das Land nicht zahlungsfähig ist.[1] Außerdem wird erwartet, dass nach der Konsolidierung der Schulden der Weg für eine französische Staatsanleihe an der Wall Street frei wird.[1]