Die diesjährigen Feierlichkeiten zum 2679. Gründungstag Roms haben sich zu einer machtvollen Kundgebung der faschistischen Herrschaft gestaltet, die in ihrem Prunk und ihrer Symbolik die antike Imperiums-Idee in die Gegenwart übertragen soll.[1] Die festlichen Begehungen, die traditionsgemäß alljährlich stattfinden, erhielten diesmal ein besonderes Gepräge durch die unmittelbare Verknüpfung mit den expansionistischen Bestrebungen Italiens.[1]

Den Auftakt bildete am Vormittag ein feierlicher Kolonialfestakt auf dem Kapitol, der die erst kürzlich beendete Reise des Regierungschefs nach Tripolis nachklingen ließ.[1] Im Anschluss fuhr Benito Mussolini, begleitet vom Gouverneur der Stadt, zum Kolosseum.[1] Die Inszenierung dort nahm wahrhaft imperiale Ausmaße an: Wie die Washington Post berichtet, hatte der Diktator auf einem improvisierten, thronartigen Podest Platz genommen, das zwischen dem Bogen des Konstantin und den Ruinen des Kolosseums errichtet worden war.[2] Dieser Sitz war umgeben von Trophäen und Resten des Venustempels, ganz nach dem Vorbild antiker Caesaren.[2]

Von diesem erhabenen Standort aus nahm Mussolini mehr als zwei Stunden lang eine gewaltige Parade ab.[1] Laut der Badischen Presse defilierten die faschistische Jugend Roms, Pfadfinder, Hochschüler und Milizverbände an ihm vorbei.[1] Das amerikanische Blatt schätzt die Zahl der teilnehmenden Schulkinder auf 60.000.[2] Ein besonderes Augenmerk galt den farbigen Kolonialtruppen: Detachements aus Tripolitanien, Eritrea und Somaliland, darunter Spahis in farbenprächtigen Burnussen und Meharis auf Dromedaren, flankierten die Tribüne und sollten die Verbindung Italiens mit dem afrikanischen Kontinent versinnbildlichen. Das Regime bezeichnete in Anlehnung an die römische Antike das Mittelmeer erneut als „unser Meer“.[2][1] Im Anschluss formierte sich eine unübersehbare Menschenmenge zu einem Zug zum Palazzo Chigi, um dem Diktator Ovationen darzubringen.[1]

Die Feierlichkeiten beschränkten sich jedoch nicht auf Paraden. Der Nachmittag war dem Wiedererstehen des antiken Rom und der städtebaulichen Modernisierung gewidmet.[1] König Viktor Emanuel III. legte den Grundstein für ein neues Monument, während erste Spitzhacken zur Freilegung des Marcellustheaters und des Trajansforums geschwungen wurden.[2][1] Diese Maßnahmen zur Freilegung der antiken Monumente aus dem Gewirr mittelalterlicher und moderner Bebauung gelten als Symbol für die Wiedergewinnung römischer Weltmacht.[2][1]

Bemerkenswert ist zudem die innenpolitische Umwidmung dieses Tages. Die Festlichkeiten integrierten zugleich den „Tag der Arbeit“, der vom traditionellen 1. Mai verlegt worden war.[2] Damit sollte das Ende des Klassenkampfes und der Beginn einer Ära wirtschaftlicher Zusammenarbeit unter faschistischer Führung demonstriert werden.[2] Bei Einbruch der Dunkelheit bot sich ein imposantes Schauspiel. Die Symbole des Faschismus wurden durch elektrische Glühbirnen auf dem Kolosseum und anderen antiken Ruinen illuminiert und machten so den Herrschaftsanspruch des neuen Regimes über die Ewige Stadt weithin sichtbar.[2]