Die politische Krise in Polen verschärft sich, nachdem Staatspräsident Stanisław Wojciechowski das Rücktrittsgesuch von Ministerpräsident Aleksander Skrzyński vorerst nicht angenommen hat.[1][2] Der Regierungschef bemüht sich, sein verbliebenes Rumpfkabinett zusammenzuhalten.[3][4] Er strebt eine Erweiterung der Basis nach links an, um die Handlungsfähigkeit der Regierung zu gewährleisten.[3] Der Widerstand der sozialistischen Parteien gegen sein Verbleiben im Amt hält jedoch ungeschwächt an.[4]
Wie die Kölnische Zeitung berichtet, äußerte Skrzyński die Absicht, sein Rücktrittsgesuch zu wiederholen, falls die angestrebte Kabinettsumbildung scheitern sollte.[3] Dieser formelle Schritt soll allerdings erst nach der zwingend notwendigen Verabschiedung des Haushaltsplans für Mai erfolgen.[3] Überdies wolle die amtierende Regierung den Ablauf des 1. Mai abwarten, da die Behörden für diesen Tag bedenkliche Vorfälle und Unruhen auf den Straßen befürchten.[3] Die Deutsche Allgemeine Zeitung meldet in diesem Zusammenhang, dass die Sozialdemokratische Partei in einem scharfen Manifest die polnische Arbeiterschaft aufgerufen hat.[4] Die Anhänger sollen bereits am kommenden Sonntag für sofortige Neuwahlen sowie für die Einsetzung einer Arbeiter- und Bauernregierung demonstrieren.[4]
Bereits in der nächsten Woche plant die nunmehr von den Sozialisten geführte Opposition, die Regierung während der Einbringung des finanziellen Voranschlags scharf anzugreifen.[3] Im Parlament gilt eine sofortige Niederlage Skrzyńskis jedoch als unwahrscheinlich. Die in der Koalition verbleibenden bürgerlichen Gruppierungen verfügen zusammen mit den Unterstützern eines Übergangskabinetts über 242 der insgesamt 444 Stimmen.[3]
Unterdessen wirken sich die inneren Wirren direkt auf die Warschauer Diplomatie aus. Der polnische Gesandte in Moskau ist zur Mitwirkung an den soeben wiederaufgenommenen Verhandlungen über einen russisch-polnischen Garantievertrag in die Hauptstadt zurückgekehrt.[4] Dem Moskauer Blatt Prawda zufolge weigert sich derweil Marschall Józef Piłsudski kategorisch, sich zu den außenpolitischen Konsequenzen der festgefahrenen Lage zu äußern.[1]