Von allen Dominions des britischen Weltreiches treten die Bestrebungen nach größerer Selbstständigkeit gegenwärtig in der Südafrikanischen Union am deutlichsten zutage.[1] Dem Berliner Tageblatt zufolge beabsichtigt Pretoria jedoch nicht, sich vollständig aus dem Reichsverband zu lösen.[1] Der südafrikanische Premierminister, General Hertzog, betonte kürzlich in einer programmatischen Rede in Kapstadt, Südafrika müsse sich nunmehr erweiterte Rechte verschaffen.[1] Die Union sei eine freie Nation und erkenne als höchste Autorität ausschließlich den Willen des eigenen Volkes an.[1] Südafrika stehe nicht als Untergebener Englands da, sondern befinde sich auf vollständig gleicher Stufe mit dem Mutterland.[1] Besonders auf internationaler Ebene müsse die Union frei sein und die gleichen Rechte wie jeder andere Teil der Welt genießen.[1]

Diese weitreichenden Ausführungen riefen umgehend General Smuts auf den Plan. Er gilt als einer der profiliertesten Vertreter der imperialen Bindung.[1] General Smuts legte dar, dass das britische Weltreich eine organische Verbindung gleichberechtigter Staaten darstelle.[1] Es existiere kein Überstaat und keine übergeordnete Autorität — vielmehr versammelten sich die gleichberechtigten Mitglieder unter einem gemeinsamen Souverän.[1]

Dass die Südafrikanische Union derart nachdrücklich auf ihre Souveränität pocht, wurzelt zu einem erheblichen Teil in der brisanten Frage der indischen Einwanderung.[1] Die Regierung in Kapstadt weigert sich strikt, sich von der Reichsleitung in London Vorschriften machen zu lassen.[1] Einerseits fürchtet Südafrika — das ohnehin unter komplexen Rassenfragen leidet — eine weitere Verschärfung der Lage. Andererseits empfinden die in Südafrika lebenden Inder die drohenden Einwanderungsbeschränkungen als Stigmatisierung zu Bürgern zweiter Klasse.[1] Nach zähen Verhandlungen ist nun beschlossen worden, eine direkte Konferenz zwischen Vertretern Indiens und Südafrikas einzuberufen.[1] Das umstrittene südafrikanische Gesetz zur asiatischen Einwanderung wurde vorerst zurückgestellt, damit sich Kapstadt mit der indischen Regierung ins Einvernehmen setzen kann.[1] Wie aus Simla gemeldet wird, rief dieser Schritt dort spürbare Zufriedenheit hervor.[1] Der Korrespondent der Londoner Times in Kapstadt führt diese positive Wendung vor allem auf das kluge und taktvolle Verhalten der indischen Delegierten zurück.[1] Die kommenden Beratungen sollen sich hauptsächlich der Frage widmen, wie sich in Südafrika durch geeignete Maßnahmen ein angemessener Lebensstandard aufrechterhalten lässt.[1]