Unter großer orientalischer Prachtentfaltung ist am gestrigen Sonntag Reza Khan im Teheraner Golestan-Palast zum neuen Schah von Persien gekrönt worden.[1] Wie die Washington Post berichtet, markiert die Inthronisierung den vorläufigen Höhepunkt der beispiellosen Karriere eines Mannes. Dieser hatte einst als einfacher Stallbursche und Soldat der persischen Kosakenbrigade begonnen und sich später zum Diktator aufgeschwungen.[2]
Die feierliche Zeremonie vollzog sich in Anwesenheit des Kronprinzen, der Minister, des diplomatischen Korps sowie zahlreicher weiterer Würdenträger.[1] Nach Angaben der Deutschen Allgemeinen Zeitung war die Kaiserstandarte im Thronsaal aufgehängt worden. Der Kronprinz nahm neben dem Thron Nadirs Aufstellung.[3] Der neue Herrscher betrat den Saal in einer Militäruniform, über der er das berühmte Perlenkleid trug.[3] Auf dem Kopf trug er zunächst den traditionellen Federbusch Nadirs.[3] Nach einer in blumenreichen Worten gehaltenen Ansprache des Ministerpräsidenten schritt der Schah zum Thron.[3] Wie der Nieuwe Rotterdamsche Courant meldet, überreichte ihm das Oberhaupt der Ulemas die Krone, die sich Reza Khan selbst auf das Haupt setzte.[1] Während draußen die Geschütze Salut feuerten, übergab ihm der Kriegsminister das historische Schwert Nadirs. Der Justizminister reichte ihm das Zepter.[3][1] Weitere Funktionäre traten heran, um dem neuen Monarchen kostbare Geschenke darzubringen.[1] Mit der Krone auf dem Haupt und dem Schwert in der Hand verließ der Herrscher schließlich den Saal.[3] An der Spitze eines großen Festzuges ritt er zu Pferde durch die reich beflaggten Straßen Teherans zu seinem Palast vor den Toren der Stadt.[3]
Tausende Schaulustige aus allen Teilen des Landes hatten sich in der Hauptstadt versammelt.[1] Auch Delegierte zahlreicher Gemeinden befanden sich unter ihnen und brachten eigene Gaben mit.[1] Laut dem Hong Kong Telegraph schließen sich an die Krönung einwöchige Festlichkeiten an. Diese verbinden alte Traditionen mit modernen Elementen.[4] Neben nächtlichen Illuminationen, Feuerwerken, Paraden und Empfängen in den verschiedenen Gesandtschaften steht als besonderes Ereignis die Eröffnung einer neuen Telegrafenstation auf dem Programm.[1][4]
Die internationale Presse hebt derweil die bemerkenswerte Laufbahn des neuen Regenten hervor.[2] Der britische Publizist C. J. H. Mackenzie-Kennedy erinnert sich, Rezaa Khan bereits im Jahre 1912 in Petrograd getroffen zu haben.[2] Damals habe dieser die Uniform eines Obersten der türkischen Irregulären getragen, nachdem er als Sondergesandter nach Konstantinopel geschickt worden war.[2] Für die Zukunft erwartet der Beobachter kaum, dass der neue Schah den — wie er es nennt — ‚Unsinn‘ einer Demokratie in Persien einführen werde.[2] Vielmehr strebe er eine pragmatische Modernisierung des Reiches an.[2]