In der österreichischen Hauptstadt hat sich vor wenigen Tagen das Komitee der Paneuropäischen Union konstituiert.[1] Den Vorsitz dieser neuen diplomatischen Gruppierung übernahm der ehemalige Bundeskanzler Dr. Ignaz Seipel.[2][1] Wie die Wiener Zeitung berichtet, verfolgt die bereits im Oktober 1923 von Richard Nikolaus Coudenhove-Kalergi gegründete Bewegung das Ziel einer föderativen Einigung des Kontinents.[1] Als Grundlagen dieser Neuordnung sollen der dauerhafte Frieden, die strikte Gleichberechtigung aller europäischen Staaten sowie eine umfassende Zollunion dienen.[1]
Das neugebildete Wiener Komitee trat sogleich mit einem programmatischen Aufruf an die Öffentlichkeit, in dem die besondere Lage der Alpenrepublik hervorgehoben wird.[1] Darin heißt es, die Friedensschlüsse der Jahre 1866 und 1919 hätten Österreich künstlich isoliert.[1] Unnatürliche Grenzmauern trennten das Land gegenwärtig von seinen Volksgenossen, seinen Nachbarn und seinen einstigen Absatzmärkten.[1] Eine historisch gewachsene Wirtschafts- und Volksgemeinschaft sei zerschnitten und der Staat auf schwerwiegende Weise verstümmelt worden.[1]
Besondere Beachtung findet der Aufruf auch im Ausland. Der Pariser Temps hebt hervor, dass das Manifest an den historischen Ruhm Österreichs als „Schild Europas“ erinnert und die Bürger zu einer neuen europäischen Mission aufruft.[2][1] Ungeachtet aller parteipolitischen Differenzen sollen die Österreicher den Zusammenschluss mit den deutschen Brüdern sowie mit den slawischen, magyarischen und romanischen Nachbarn suchen.[1] Es gelte, gemeinsam an einem durch Gerechtigkeit geeinten Europa zu bauen.[1] Anmeldungen zum Beitritt in die Paneuropäische Union nimmt das Zentralkomitee ab sofort in den Räumlichkeiten der Wiener Hofburg entgegen.[1]