Ein behördliches Verbot im Lande Baden beschäftigt gegenwärtig den Reichstag.[1] Die deutschnationale Fraktion hat eine Kleine Anfrage an die Reichsregierung gerichtet, welche die behördliche Unterdrückung einer geplanten Vortragsreihe scharf kritisiert.[1] Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung steht der Prior Dietrich vom Stift Sankt Wilsen in Innsbruck.[1]

Der Verein für das Deutschtum im Auslande hatte den Geistlichen gewonnen, um in mehreren badischen Städten über die schwierige Lage und die Not der deutschen Bevölkerung in Südtirol zu referieren.[1] Zu diesen Veranstaltungen wird es jedoch nicht kommen — auf ausdrückliche Veranlassung des Auswärtigen Amtes hat die badische Landesregierung die Abhaltung der Vorträge kurzfristig untersagt.[1]

Wie die Badische Presse meldet, hat dieser Eingriff der Berliner Zentralinstanz in nationalistischen Kreisen Deutschlands sowie in Österreich außerordentliches Aufsehen hervorgerufen.[1] Die Deutschnationalen fordern nun eine unmissverständliche Erklärung über die Beweggründe der Reichsregierung.[1] In ihrer parlamentarischen Anfrage betonen sie, dass durch die Zusammenkünfte keinerlei politische Rückwirkungen auf das diplomatische Verhältnis zwischen Deutschland und Italien zu befürchten gewesen seien.[1] Die Abgeordneten fragen öffentlich, ob das Auswärtige Amt mit solchen Maßnahmen die Lage der Südtiroler tatsächlich verbessern könne.[1] Vielmehr entsteht der Eindruck, dass es den österreichischen Stammesbrüdern unmöglich gemacht werden solle, die tatsächlichen Verhältnisse in Südtirol einer sachlichen Prüfung zu unterziehen.[1]