Am gestrigen Abend hat der italienische Ministerpräsident eine machtvolle Demonstration seiner Anhängerschaft abgehalten.[1][2] Auf dem Mailänder Domplatz versammelten sich trotz eines schweren Gewitterregens gewaltige Menschenmassen, um Benito Mussolini zu huldigen.[1][2] Während der Westfälische Merkur und der Pariser Temps übereinstimmend von mehr als 50.000 anwesenden Faschisten berichten, spricht die Wiener Zeitung gar von über 60.000 Teilnehmern, die ausharrten, bis der Diktator das Wort ergriff.[1][2][3]

Mussolini dankte der Menge für ihre eiserne Ausdauer in dem strömenden Regen und nutzte die Witterung sogleich für einen martialischen Vergleich.[1][2] Er rief den Demonstranten zu, dass diese Zusammenkunft im Unwetter ihm beweise, dass sie mit demselben Gleichmut auch im feindlichen Gewehrfeuer stehen bleiben würden.[1][2] Der Regierungschef hob anschließend die historische Rolle Mailands für seine Bewegung hervor.[1] Die norditalienische Metropole habe bereits in der Vergangenheit die entscheidenden Losungen des Faschismus ausgegeben. Nun rüste sie sich, diese ideologische Führungsrolle auch für die Zukunft zu übernehmen.[1][3]

Seinen von starkem Personenkult geprägten Auftritt beendete der italienische Ministerpräsident mit einem dramatischen Appell an seine Gefolgschaft. Dieser gipfelte in dem Ausruf: „Schwarzhemden! Kugeln fliegen vorbei und Mussolini bleibt!“[1][2][3] Wie der Westfälische Merkur ausführt, wurden diese Schlussworte von der durchnässten Menge mit großer Begeisterung aufgenommen.[2]

Dass diese martialische Rhetorik im Ausland ernst genommen wird und das faschistische Italien eine ständige diplomatische Rücksichtnahme erzwingt, zeigt derweil ein aktueller Vorfall in Deutschland.[4] Nach Angaben der Badischen Presse sah sich das Auswärtige Amt in Berlin veranlasst, bei der badischen Landesregierung das Verbot einer Vortragsreihe zu erwirken.[4] Der vom Verein für das Deutschtum im Ausland eingeladene Prior Dietrich aus Innsbruck sollte über die Notlage der deutschsprachigen Bevölkerung in Südtirol sprechen.[4] Die Fraktion der Deutschnationalen hat hierzu nun eine Kleine Anfrage in das Parlament eingebracht.[4] Sie verlangt Aufklärung darüber, weshalb derartige Reden aus vorauseilendem Gehorsam unterbunden werden. Zudem beklagt sie das außerordentliche Aufsehen, das das Verbot in österreichischen und deutschen Kreisen erregt habe.[4]