Auf dem gigantischen Neubaugelände des Großkraftwerks Rummelsburg hat sich eine weitere schwere Katastrophe ereignet. Wie die Badische Presse berichtet, brach in der zehnten Abendstunde ein Baukran zusammen. Dabei wurden zwei Arbeiter getötet und zwei weitere schwer verletzt.[1] Unmittelbar nach dem Unglück legte die etwa tausend Mann starke Belegschaft die Arbeit nieder.[1] Die Arbeiter richteten einen scharfen Protest an die Gesamtbauleitung sowie an die Polizei und forderten die sofortige Beseitigung der erheblichen Mängel auf dem Gelände.[1] Insbesondere wurden unzureichende Sicherheitsmaßnahmen und eine ungenügende Beleuchtung während der Nachtschichten beanstandet.[1]
Der Vorwärts weist darauf hin, dass die Berliner städtischen Körperschaften das Kraftwerk mit einem enormen Aufwand von 50 Millionen Mark errichten lassen, um die gefährdete Stromversorgung der Reichshauptstadt sicherzustellen.[2] Die neuen Turbinen sollen eine Leistung von jeweils 75.000 Kilowatt erzeugen.[2] Nach den weitreichenden Verkehrsstörungen und wirtschaftlichen Hemmungen des vergangenen Winters soll der Terminbau unter größter Eile hochgezogen werden, sodass bereits im Oktober die erste Maschineneinheit in Betrieb gehen kann.[2]
Dieser immense Zeitdruck hat anscheinend fatale Folgen für die Arbeitssicherheit. Auf der Baustelle, die in ihrem Ausmaß einer eigenen Stadt gleicht, arbeiten Tausende von Menschen in ununterbrochener Schicht für weit über hundert verschiedene Firmen.[2] Der Vorwärts kritisiert scharf, dass unter der Peitsche der drohenden Erwerbslosigkeit ein rücksichtsloses Antreibersystem herrsche.[2] Durch überlange Schichten von zehn bis zu zwölf Stunden trete bei den Arbeitern eine gefährliche Ermüdung auf.[2] Zudem werden die gewaltigen, über 30 Meter hohen Eisenkonstruktionen bisher ohne jede Gerüstsicherung montiert. Die Tätigkeit in schwindelerregender Höhe wird dadurch zu einem ständigen Wagnis.[2] Bereits vor den jüngsten Vorfällen waren auf dem Rummelsburger Baugelände 450 Unfälle registriert worden.[2] Es wird erwartet, dass sich die Berliner Stadtverordnetenversammlung in ihrer heutigen Sitzung intensiv mit den fehlenden Schutzvorrichtungen befassen wird.[2]