Das ehrgeizige Vorhaben der Amundsen-Ellsworth-Expedition nimmt zusehends feste Formen an. Wie The Washington Times meldet, ist das Polarluftschiff Norge am heutigen Morgen um 6.30 Uhr sicher in Spitzbergen eingetroffen.[1] Das Anlegen an den Ankermast in der Kings Bay verlief ohne jede Schwierigkeit.[1] Nach dem erfolgreichen Manöver wurden Kommandant Umberto Nobile und seine Besatzung von dem norwegischen Polarforscher Roald Amundsen und seinem amerikanischen Förderer Lincoln Ellsworth überaus herzlich in Empfang genommen.[1]

Der letzte Teil der Anreise hatte seinen Ausgang im nordnorwegischen Vadsø genommen. Bereits am Mittwochmorgen war das Luftschiff unter überaus günstigen Wetterbedingungen aus Trotsk, einem Vorort von Leningrad, aufgestiegen.[2][3] Die Wiener Zeitung bezifferte die Flugzeit für diese erste Etappe auf 15 bis 17 Stunden.[2] Der Lenkballon erreichte Vadsø pünktlich um 4.30 Uhr morgens und machte dort zunächst fest.[2][3] Am Nachmittag um 2.56 Uhr wurde die Fahrt in Richtung Spitzbergen fortgesetzt.[3][1] Gegen 10.30 Uhr abends, auf halbem Wege, überquerte die Expedition die Bäreninsel.[3] Die Überfahrt von Vadsø bis zur Kings Bay nahm insgesamt rund vierzehn Stunden in Anspruch.[1]

Die Fahrt durch die polaren Breiten forderte der 13 Mann starken Besatzung einiges ab.[2] Laut The Washington Times litten besonders die italienischen Mitglieder der Mannschaft stark unter der extremen Kälte.[1] Die größte Gefahr für das Unternehmen bestand jedoch nicht in den niedrigen Temperaturen selbst, sondern in den tückischen Witterungsverhältnissen. Die Wiener Zeitung verwies nachdrücklich auf das Risiko einer Vereisung des Luftschiffkörpers.[2] Selbst wenn sich lediglich eine Eisschicht von durchschnittlich einem Millimeter Stärke bildete, bedeutete dies ein Mehrgewicht von viereinhalb Tonnen — eine gefährliche Last, die die Weiterfahrt in der Luft ernsthaft infrage gestellt hätte.[2]

Derweil herrscht in der Kings Bay ein reger fliegerischer Betrieb. Neben der Besatzung der Norge, die nun für den bevorstehenden Flug über den Nordpol vorbereitet wird,[1] befindet sich auch der amerikanische Marineflieger Richard E. Byrd vor Ort. Nach Angaben der Washington Post hat Byrd soeben einen zweistündigen Probe­flug mit seinem Fokker-Eindecker durchgeführt, mit dem er ebenfalls die arktischen Regionen zu erkunden beabsichtigt.[3] Dass die Unternehmungen in diesen Breitengraden stets am Rande der Katastrophe stehen, zeigt ein Blick nach Nordamerika. Während die Pioniere in Spitzbergen Erfolge verzeichnen, wurde die Maschine des Forschers George Hubert Wilkins beim Startversuch im alaskischen Fairbanks schwer beschädigt.[3] Der Eindecker rammte einen Erdhügel; dadurch zersplitterte der Propeller und das rechte Fahrwerk wurde vollständig zerstört.[3] Die Expeditionen in der Kings Bay werden diese Warnung ernst nehmen müssen, wenn sie in den kommenden Tagen einen weiteren Vorstoß in das ewige Eis wagen.