Die Generalversammlung der Junkers-Flugzeugwerke AG, die für den heutigen Vormittag anberaumt war, ist kurzfristig auf den Nachmittag verschoben worden.[1] Wie das Berliner Tageblatt meldet, sind die überaus schwierigen Verhandlungen zwischen dem Unternehmen und dem Reich noch immer nicht zu einem Abschluss gekommen.[1] Die ungewisse Zukunft des von Hugo Junkers geleiteten Unternehmens ruft in der Öffentlichkeit erhebliche Besorgnis hervor.[1] In einem dramatischen Aufruf warnt Professor Gerhard Heine davor, ein florierendes Werk mit über 5000 Arbeitern und Angestellten tatenlos zugrunde gehen zu lassen.[1]

Der Kern des Konflikts liegt in strittigen Finanzfragen. Dadurch sieht sich das Reich in der Lage, seine Hand auf den Luftverkehr und die Flugzeugfabrikation der Junkers-Werke zu legen.[1] Den Angaben des Berliner Tageblatts zufolge führte dieser staatliche Eingriff zur Zwangsvereinigung des Luftverkehrs in der neu gegründeten Lufthansa. Hierdurch wurde der Wettbewerb, der für eine junge Industrie unverzichtbar ist, ausgeschaltet.[1] Kritiker werfen der Reichsbürokratie vor, den feinen Organismus dieser Pionierarbeit nicht im Ansatz zu verstehen.[1]

Noch im Oktober 1925 verzeichnete das Werk feste Aufträge über 21 Großflugzeuge nebst Motoren sowie 30 mittlere Maschinen.[1] In den Monaten von Oktober bis Januar vernachlässigten die staatlichen Instanzen jedoch die Pflege der internationalen Absatzorganisation.[1] Die finanziellen Auswirkungen dieser bürokratischen Führung werden als katastrophal beschrieben.[1] In der Folge sieht sich das Unternehmen nun gezwungen, massenhafte Entlassungen vorzunehmen — eine hoch qualifizierte Arbeiterschaft wird dadurch auf die Straße geworfen.[1]