Der Bundesausschuss des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes (ADGB) hat einstimmig beschlossen, den britischen Arbeitern in ihrem schweren Arbeitskampf weitreichende materielle und moralische Hilfe zu leisten.[1] In einer Entschließung erklärte der Ausschuss seine „volle Bereitwilligkeit“, die englischen Gewerkschaften bei der Durchführung ihres großen Kampfes nach Kräften zu unterstützen.[1] Man ist sich bewusst, dass der Ausgang dieses Ringens auch auf die Zukunft der deutschen Arbeiterklasse einen entscheidenden Einfluss haben kann.[1] Aus diesem Grund ruft der ADGB die Arbeiterschaft in Deutschland dazu auf, trotz der eigenen schwierigen wirtschaftlichen Lage zu helfen und die „altbewährte internationale Solidarität durch die Tat zu beweisen“.[1] Zur praktischen Umsetzung wurde der Bundesvorstand ermächtigt, umgehend eine allgemeine Sammlung einzuleiten.[1] Sämtliche Gelder sind an die Bundeskasse abzuliefern, von wo aus sie an den Internationalen Gewerkschaftsbund übermittelt werden.[1] Der Allgemeine freie Angestelltenbund (AfA) hat sich diesem Vorgehen bereits angeschlossen. Auch er wird seine Mitglieder auffordern, die offiziellen Sammellisten zu zeichnen.[1]
Darüber hinaus leistet die Arbeiterschaft organisatorische Hilfe. Der Vorstand des Deutschen Verkehrsbundes berief seine Vertreter der Seeleute, Hafenarbeiter und Binnenschiffer zu einer Dringlichkeitskonferenz nach Berlin.[1] In der Versammlung herrschte Übereinstimmung darüber, dass über bloße Sympathiekundgebungen hinaus praktische Maßnahmen geboten sind.[1] Die Konferenz wies ihre Mitglieder an, jegliche Verschiffung von Kohle nach England zu unterbinden und das Bunkern englischer Schiffe zu verweigern.[1] Zudem soll verhindert werden, dass britische Schiffe mit Streikbrechern besetzt werden.[1]
Auch in anderen Teilen Europas weitet sich die Unterstützungsaktion aus. Wie das Hamburger Echo meldet, billigte der Verwaltungsausschuss des französischen Gewerkschaftsverbandes die Beschlüsse der Eisenbahner und Hafenarbeiter, Ausfuhren nach England zu verhindern, die den Widerstand gegen die Forderungen der englischen Arbeiter stärken könnten.[1] Der Internationale Gewerkschaftsbund bestätigte, dass auch der amerikanische Dachverband sowie der mexikanische Verband auf Ansuchen moralische und finanzielle Unterstützung zugesagt haben.[1] Eine erste Rate von 1000 Pfund Sterling wurde bereits nach England gesandt.[1] In den Niederlanden hat der Verband der Offiziere der Handelsflotte ein Manifest veröffentlicht, mit dem er die Übernahme von Kohlentransporten nach England strikt ablehnt.[1] Der Vorstand des dänischen Gewerkschaftsbundes kündigte der örtlichen Arbeitgebervereinigung eine Blockade aller Unternehmungen an, die den britischen Streik schädigen könnten.[1]
Auch im Osten Europas wird die Bewegung unterstützt. Nach Berichten der Moskauer Prawda beteiligen sich die russischen Arbeiter an den Solidaritätsbekundungen.[2] Um die Koordination der kontinentaleuropäischen Hilfsmaßnahmen weiter zu verbessern, nutzt die Internationale Transportarbeiter-Föderation neueste technische Mittel: An diesem Wochenende sollen die neuesten Nachrichten aus Amsterdam über die Solidaritätsaktion in drei Sprachen von der niederländischen Rundfunkstation Hilversum ausgestrahlt werden.[1]