Der chinesische General Fengjusian (Feng Yuxiang), der in der internationalen Öffentlichkeit vielfach als „Christengeneral“ tituliert wird, ist am gestrigen Sonntagmorgen mit seinem militärischen Stab in Moskau eingetroffen.[1][2] Nach Berichten der Deutschen Allgemeinen Zeitung reiste der General jedoch keineswegs allein. In seiner Begleitung befanden sich neben den Militärs auch hochrangige Vertreter des zivilen Lebens. Darunter waren Mitglieder des Zentralkomitees der Kuomintang-Partei sowie der Rektor der Universität Schanghai.[3] Der Hong Kong Telegraph ordnet dieses Ereignis als Fortsetzung einer Reihe von Visiten ein. Die Zeitung merkt an, dass chinesische Heerführer vermehrt die russische Hauptstadt aufsuchen.[4]
Wie das Berliner Tageblatt von seinem Moskauer Korrespondenten erfährt, gab General Fengjusian unmittelbar nach seiner Ankunft eine erste Erklärung zu seinen Plänen ab.[2] Er betonte die Absicht, sich in der kommenden Zeit gründlich mit den wirtschaftlichen und politischen Verhältnissen der Sowjetrepublik vertraut zu machen.[2] Darüber hinaus äußerte sich der Kommandeur hinsichtlich der militärischen Lage in seiner Heimat ausgesprochen optimistisch. Er gab seiner Zuversicht Ausdruck, dass die von ihm früher befehligten chinesischen Volksarmeen imstande sein würden, trotz der jüngsten empfindlichen Verluste schon bald wieder offensiv anzugreifen.[2]
Derweil bleibt die innenpolitische Situation in der chinesischen Republik äußerst angespannt. Diese Entwicklung überschattet auch die diplomatischen Missionen im Ausland. Laut dem Pariser Figaro ist eine handlungsfähige Regierung derzeit praktisch nicht existent.[5] Marschall Tschangtsolin (Zhang Zuolin) übt demnach massiven Druck aus, um die Ernennung von Dr. Yen — der ursprünglich von General Wupeisu (Wu Peifu) favorisiert wurde — zum Präsidenten des Kabinetts durchzusetzen.[5] Fengjusian bewertet diese feindliche Koalition der rivalisierenden Kriegsherren jedoch als höchst instabil. Nach seinen eigenen Angaben sollen sich in den Reihen der verbündeten Streitkräfte von Tschangtsolin und Wupeisu bereits spürbare Unstimmigkeiten bemerkbar machen.[2]