Aus den französischen Mandatsgebieten im Orient dringen erneut beunruhigende Nachrichten über schwere militärische Auseinandersetzungen an die europäische Öffentlichkeit. Wie der Westfälische Merkur berichtet, hat ein verheerendes Bombardement des Stadtviertels Midan im Süden von Damaskus stattgefunden, das an Heftigkeit und Dauer die tragischen Ereignisse des vergangenen Jahres noch übertroffen haben soll.[1] Die Lage in der syrischen Metropole ist demnach äußerst ernst und von massiven Zerstörungen geprägt. Das betroffene Stadtviertel steht noch immer in Flammen. Den verzweifelten Bewohnern steht kein Wasser zum Löschen zur Verfügung, da die Zufuhr erst kürzlich von den Behörden abgeschnitten wurde.[1] Während französische Offiziere gegenüber Pressevertretern erklärten, sie hätten nach der Beschießung in den Straßen lediglich 56 Leichen von Aufständischen gezählt, geben die Syrer eine deutlich höhere Zahl von Toten an.[1] Einheimische berichten, dass während des Angriffs bis zu 300 ihrer Landsleute getötet worden seien.[1]

Die offiziellen Stellen in Paris versuchen inzwischen, die Berichte in der ausländischen Presse abzuschwächen. Laut einer Havas-Meldung aus Beirut, die sich auf Berichte der amerikanischen Chicago Tribune stützt, könne von einem Bombardement keine Rede sein.[2] Vielmehr handle es sich um eine gezielte Polizeiaktion, die am 7. Mai gegen verborgene Aufständische in diesem Viertel durchgeführt worden sei.[2] Nach Angaben des Pariser Figaro richtete sich diese sogenannte ‚Säuberungsaktion‘ gegen aufrührerische Elemente, die aus dem Drusengebirge in das Stadtviertel eingedrungen waren und dort einen Unruheherd bildeten.[3] Den eigentlichen Kämpfen in den engen Gassen ging in der Nacht vom 6. auf den 7. Mai ein lebhaftes Feuergefecht voraus.[3] Im weiteren Verlauf setzten die französischen Truppen reguläre Kavallerie, Maschinengewehre und sogar Tanks ein, um den Widerstand zu brechen.[2][3]

Die amtlichen Verlautbarungen der Militärverwaltung nennen andere Opferzahlen als die einheimischen Schilderungen. Dem Figaro zufolge wurden nach Beendigung der Kämpfe 57 Leichen von bewaffneten Gegnern geborgen und 71 Personen gefangen genommen.[3] Die französischen Verluste werden als gering bezeichnet; sie belaufen sich auf drei Tote sowie, je nach Berichterstattung, drei bis acht Verwundete.[2][3][1] Dass während der militärischen Operation einige Häuser in Brand gesteckt wurden, räumt die französische Seite ein, jedoch wird dieses Vorgehen als rein militärisch bedingt dargestellt.[3] Dennoch bleibt die humanitäre Situation in Damaskus angesichts brennender Trümmer und fehlender Wasserversorgung äußerst schwierig, was die Befriedung der Region erheblich erschweren dürfte.[1]