In der Reichshauptstadt vollzieht sich ein unerwarteter kulturpolitischer Einschnitt. Wie aus ersten, noch bruchstückhaften telegrafischen Meldungen hervorgeht, ist der Komischen Oper die Betriebskonzession entzogen worden.[1] Damit droht Berlin vorerst den Verlust einer markanten Spielstätte, deren Schicksal in Theaterkreisen bereits Gegenstand intensiver Spekulationen war.[1] Über die genauen Beweggründe für die behördliche Maßnahme — ob unüberwindbare wirtschaftliche Schwierigkeiten oder feuerpolizeiliche Erwägungen den Ausschlag gaben — herrscht derzeit noch Unklarheit.[1] Fest steht jedoch, dass dieser administrative Schritt einen empfindlichen Eingriff in den Kulturbetrieb darstellt.[1] Das Vorgehen der Direktion gegen den amtlichen Bescheid bleibt vorerst abzuwarten.[1]
Konzessionsentzug der Komischen Oper
Behördliche Schließung der Berliner Bühne — Unklare Hintergründe
Berlin, 12. Mai.
Historische Einordnung
Die historische 'Komische Oper' an der Berliner Friedrichstraße (Ecke Weidendammer Brücke) hatte in der Weimarer Republik mit erheblichen finanziellen und administrativen Problemen zu kämpfen. Das Haus erlebte in den 1920er Jahren mehrfache Pächterwechsel und Insolvenzen, bevor das Gebäude im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt wurde. Die heutige, weltbekannte 'Komische Oper Berlin' wurde erst nach dem Krieg im Jahr 1947 von Walter Felsenstein im Gebäude des ehemaligen Metropol-Theaters gegründet.
Quellenverweise:
- Westfälischer Merkur (Deutsche Digitale Bibliothek) 1926-05-12