Die preußische Polizei hat in Berlin eine umfassende Verschwörung aufgedeckt, deren Ziel der gewaltsame Sturz der Republik und die Errichtung einer Rechtsdiktatur war.[1][2] Wie die Neue Freie Presse berichtet, erwarteten die Putschisten den Ausbruch einer Regierungskrise anlässlich der bevorstehenden Volksabstimmung über die Fürstenabfindung.[2] Diese Krise sollte genutzt werden, um eine neue Reichsregierung zu installieren. Unter dem Vorwand angeblicher kommunistischer Unruhen hätte diese Regierung militärische Gewalt anwenden sollen.[2]

Die sichergestellten Dokumente enthüllen weitreichende Pläne. Die Reichsverfassung sollte aufgehoben werden, und ein „Reichsverweser“ sollte mit diktatorischen Vollmachten eingesetzt werden.[1][2] Reichspräsident von Hindenburg sollte zum freiwilligen Rücktritt veranlasst werden.[1][3] Darüber hinaus planten die Verschwörer die Auflösung aller Parlamente und Parteien.[1][2] Laut der China Mail sahen die Maßnahmen zudem vor, Streiks unter Todesstrafe zu stellen, das Eigentum jüdischer Bürger zu konfiszieren und republikanische Führer zu verbannen.[1] Auch die Prawda meldet in einer Kurznachricht die Entdeckung dieses „faschistischen Komplotts“.[4]

Besonders aufschlussreich ist die gefundene Ministerliste. Als Kanzler war der Lübecker Bürgermeister Dr. Neumann vorgesehen. Geheimrat Hugenberg sollte das Finanzministerium übernehmen.[1][2] General von Möhl war als Reichswehrminister und Freiherr von Lüninck als Ernährungsdiktator eingeplant.[2] Beschlagnahmte Briefe von Heinrich Claß, dem Vorsitzenden des Alldeutschen Verbandes, an den Sohn des Reichspräsidenten, Major von Hindenburg, belegen, dass die Verschwörer eine Kanzlerschaft Luthers wegen der Locarno-Politik entschieden ablehnten. Stattdessen pries Claß den Verleger Hugenberg als Staatsmann größten Formats.[2]

Als Reaktion auf die alarmierenden Funde rief der preußische Ministerpräsident Braun zu einer Besprechung zusammen.[2] Die preußische Regierung verfügte die sofortige Auflösung völkischer Sportvereinigungen, namentlich „Werwolf“, „Wiking“ und „Olympia“.[2] Der Führer des „Olympia“, Oberst a. D. von Luck, wurde verhaftet.[1][2] Bei ihm fand sich ein detaillierter Aufmarschplan gegen die Hauptstadt, der unter anderem die Requirierung aller verfügbaren Fahrräder beim Ausbruch des Putsches anordnete.[2] Wie Regierungsvertreter betonen, sind die Sicherheitsbehörden jedoch uneingeschränkt Herr der Lage.[2]