Senator Borah hielt am gestrigen Nachmittag im amerikanischen Senat eine Rede, in der er mit der demokratischen Opposition scharf ins Gericht ging und sich nachdrücklich für die baldige Freigabe des beschlagnahmten deutschen Privateigentums einsetzte.[1] Wie das Berliner Tageblatt berichtet, wies der Senator schonungslos auf die Verschleuderung und unsachgemäße Verwaltung des deutschen Besitzes hin.[1] Dem Harburger Tageblatt zufolge erklärte Borah ausdrücklich, dass fremdes Eigentum in beträchtlichem Umfang veruntreut worden sei.[2]
Die amerikanische Politik habe von jeher darauf bestanden, fremdes Privateigentum im Kriege unangetastet zu lassen.[1] Borah stellte die rhetorische Frage, ob die Beteiligten die Rechnungslegung scheuten. Er führte aus, dass sich dabei herausstellen würde, wie viele Bestechungen und Durchstechereien in den vergangenen acht Jahren vorgekommen seien.[1] Millionenwerte seien auf diese Weise verloren gegangen; der Senator hob besonders die hohen Gebühren der Rechtsanwälte hervor.[1] Ein einzelner Anwalt habe beispielsweise über hunderttausend Dollar als Honorar berechnet.[1]
Der demokratische Senator Swanson trat Borah mit großer Entschiedenheit entgegen. Er stützte sich auf das Argument, Deutschland habe im Versailler Vertrag der Konfiskation selbst zugestimmt, um seine Kriegsgläubiger zu befriedigen.[1] Borah bezeichnete dies als glatte Konfiskation und verwies stattdessen auf das dem Repräsentantenhaus vorliegende Newton-Bill, das er als sehr befriedigenden Vorschlag betrachte.[1] Allerdings stieß er bei Swanson auf taube Ohren.[1] Auch der Demokrat King beteiligte sich an der Debatte. Dieser befürworte zwar grundsätzlich die Freigabe, lehne jedoch eine Entschädigung amerikanischer Gläubiger zulasten des Steuerzahlers ab.[1]
Da die Eigentumsfrage inzwischen zur Parteisache geworden ist, warnen politische Beobachter davor, Borahs Vorstoß als unmittelbaren Durchbruch zu deuten.[1] Es wird erwartet, dass eine endgültige Regelung erst in der Wintersession des Kongresses zustande kommt.[1]