Der französische Finanzminister Raoul Péret ist in der britischen Hauptstadt eingetroffen, um die im August des vergangenen Jahres begonnenen Verhandlungen über die französische Kriegsschuld fortzuführen.[1][2] In einer ersten Unterredung im Schatzamt mit dem britischen Schatzkanzler Winston Churchill legte Péret den Standpunkt der Pariser Regierung dar.[3][4] Dabei wurde das grundsätzliche Einvernehmen bekräftigt, das frühere Abkommen zwischen Joseph Caillaux und Churchill, welches eine jährliche Zahlungsverpflichtung Frankreichs von 12,5 Millionen Pfund Sterling vorsieht, als Verhandlungsgrundlage beizubehalten.[1][4][2]

Allerdings drängt die französische Seite angesichts des Verfalls des Franken massiv auf Modifikationen und vor allem auf die Herausgabe jener Goldreserven, die während des Krieges als Sicherheit in London hinterlegt worden waren.[1][4] Es handelt sich um ein Depot der Bank von Frankreich in Höhe von 18 Millionen Pfund sowie weitere 35,5 Millionen Pfund des französischen Staates.[1][4] Diese insgesamt 53,5 Millionen Pfund Sterling in Gold, die etwa 1,7 Milliarden Goldfranken entsprechen, dienten als Garantie für einen Vorschuss von 150 Millionen Pfund. Frankreich war dieser im Jahr 1916 auf Basis des Abkommens von Calais gewährt worden.[1][4]

Die französische Kommission argumentiert, dass mit der endgültigen Regelung der Schuldenfrage auch die einstigen Sicherheiten zurückerstattet werden müssten.[1] Pariser Kreise verweisen dabei auf den Präzedenzfall Italiens. Dem Land wurde bei seiner Schuldenregelung im Januar die stufenweise Rückzahlung eines Golddepots in Höhe von 22,2 Millionen Pfund zugestanden.[1][4] Die Freigabe dieser Goldreserven erscheint in Paris als entscheidend für die Stützung der heimischen Währung.[4]

Neben der Goldfrage fordert Frankreich weitere Zugeständnisse, die in London auf Widerstand stoßen. Péret verlangt ein teilweises Moratorium für die ersten fünf Jahre. Die Jahreszahlungen sollen zunächst bei vier Millionen Pfund beginnen und erst ab dem sechsten Jahr die volle Höhe von 12,5 Millionen Pfund erreichen.[1][2] Darüber hinaus beharrt die französische Delegation auf einer Transferklausel für den Fall von Währungsschwierigkeiten sowie auf einer sogenannten Sicherungsklausel.[1][2] Diese soll die französischen Zahlungen an England direkt mit den Einnahmen verknüpfen, die Frankreich aus dem Dawes-Plan von Deutschland erhält.[1][2] Wie der Pariser Temps berichtet, verweist Frankreich zudem darauf, dass die Abkommen, die England mit Italien und die Vereinigten Staaten mit Frankreich (das Bérenger-Mellon-Abkommen) geschlossen haben, weitaus günstigere Bedingungen enthalten. Daraus folgert die französische Regierung, dass eine Überarbeitung der bisherigen britisch-französischen Vereinbarungen zu rechtfertigen sei.[1] Parallel zu den politischen Gesprächen haben der Generalsekretär der Bank von Frankreich, Aupetit, und der Gouverneur der Bank von England, Montagu Norman, Verhandlungen aufgenommen. Es soll die Rückzahlung der direkten Kredite der britischen Notenbank an das französische Institut geregelt werden.[1][3]