Die Delegierten der vorbereitenden Kommission für die geplante Abrüstungskonferenz sind im Laufe des Montags größtenteils in Genf eingetroffen.[1] Das Gremium, das am Dienstagvormittag um 11 Uhr zusammentritt, setzt sich aus Vertretern von insgesamt 20 Staaten zusammen.[1] Sowjetrussland hat, wie bereits im Vorfeld bekannt wurde, seine Teilnahme an den Verhandlungen abgesagt.[1]

Die zehn Ratsstaaten des Völkerbundes haben ranghohe Diplomaten und Politiker entsandt.[1] Wie die Badische Presse meldet, wird Frankreich durch Paul-Boncour (Joseph Paul-Boncour) vertreten, während für England Lord Robert Cecil (Robert Gascoyne-Cecil) an den Beratungen teilnimmt.[1] Japan hat Matsuda (Michikazu Matsuda) nach Genf geschickt, Italien wird durch Marini repräsentiert und Spanien durch Cobián (Eduardo Cobián).[1] Die weiteren Ratsstaaten sind durch Henning für Schweden, Mello-Franco (Afrânio de Melo Franco) für Brasilien, Guani (Alberto Guani) für Uruguay, Veverka (Ferdinand Veverka) für die Tschechoslowakei sowie de Brouckère (Louis de Brouckère) für Belgien vertreten.[1]

Die übrigen zehn Teilnehmerstaaten haben ebenfalls ihre Gesandten nominiert.[1] Unter ihnen befinden sich Loudon (John Loudon) für Holland, Gibson (Hugh Gibson) für die Vereinigten Staaten sowie weitere Diplomaten aus Chile, Argentinien, Finnland, Rumänien, Jugoslawien und Bulgarien.[1] Der Vertreter Polens steht zur Stunde noch nicht endgültig fest.[1]

Die deutsche Delegation setzt sich aus einer Reihe erfahrener Diplomaten und militärischer Sachverständiger zusammen.[1] An ihrer Spitze stehen der frühere Botschafter Graf von Bernstorff (Johann Heinrich von Bernstorff) und Geheimrat von Bülow (Bernhard Wilhelm von Bülow).[1] Hinzu kommen Gesandtschaftsrat Boitze, Oberst von Stülpnagel (Carl-Heinrich von Stülpnagel), Oberstleutnant Dümlein, Major Schindler, Rittmeister Züntke, Konteradmiral Freiherr von Freyberg (Albrecht von Freyberg-Eisenberg-Allmendingen), Fregattenkapitän Gadow (Reinhold Gadow) und Leutnant von Dewitz.[1]

Am Dienstag wird die Abrüstungskommission eine erste öffentliche Sitzung abhalten. Im Mittelpunkt stehen die Wahl des Vorsitzenden und die Aufstellung des Arbeitsprogramms.[1] Für den Posten des Vorsitzenden wird in Völkerbundkreisen vor allem der holländische Gesandte in Paris, Loudon, favorisiert.[1]

Eine besondere diplomatische Note erhält der Auftakt durch die Pläne Washingtons.[1] Aus informierten Völkerbundkreisen verlautet, dass die Delegierten der Vereinigten Staaten beabsichtigen, gleich zu Beginn der Verhandlungen einen Antrag einzubringen, der darauf abzielt, die künftige Abrüstungskonferenz vom Völkerbund zu lösen.[1] Die Konferenz soll somit als selbstständige und unabhängige Instanz tagen.[1] Es wird angenommen, dass die vorbereitende Kommission dieser amerikanischen Anregung folgt.[1] Über die genaue Dauer der jetzigen Beratungen lässt sich zurzeit noch keine endgültige Aussage treffen. Im Allgemeinen wird mit einem Verhandlungszeitraum von mehreren Wochen gerechnet.[1]