Die anhaltende belgische Regierungskrise, die angesichts der äußerst angespannten Währungslage das Land in tiefe Unruhe versetzt hat, scheint sich einer Lösung zu nähern. Wie der Nieuwe Rotterdamsche Courant berichtet, machen die finanzpolitischen Nöte die umgehende Bildung einer Regierung erforderlich. Eine solche Regierung müsse sich strikt auf die wirtschaftliche Sanierung konzentrieren.[1] Jeder weitere Tag der Führungslosigkeit droht, die Lage noch weiter zu verschärfen. Deshalb gilt in parlamentarischen Kreisen ein politischer Burgfrieden als unerlässlich.[1]
Dem Pariser Temps zufolge ist es der persönlichen Intervention König Alberts zu verdanken, dass nunmehr die Bildung eines Kabinetts der Nationalen Union in greifbare Nähe gerückt ist.[2] Eine grundsätzliche Einigung zwischen Katholiken, Sozialisten und Liberalen sei bereits erzielt worden.[2] Die Leitung dieses neuen Ministeriums soll der Sozialist Emile Brunet übernehmen, während das überaus wichtige Finanzressort dem Bankier Émile Francqui anvertraut werden soll.[2]
Hinsichtlich der Zusammensetzung der Regierung zirkulieren derzeit verschiedene Formeln. Ursprünglich war vorgesehen, die Ministerien streng nach Fraktionsstärke aufzuteilen, wobei fünf sozialistische, fünf katholische und zwei liberale Vertreter amtiert hätten.[2][1] Inzwischen scheint jedoch eine abgewandelte Kombination bevorzugt zu werden, die neben drei Sozialisten, drei Katholiken und zwei Liberalen auch drei parteilose Persönlichkeiten vorsieht.[2] Neben Brunet und Francqui soll ein hoher katholischer General in das Kabinett eintreten.[2] Als sicher gilt zudem, dass führende Köpfe wie Henri Jaspar auf katholischer Seite sowie Paul Hymans und Emile Vandervelde dem Bündnis angehören werden.[2][1]
Die offizielle Vorstellung der neuen Regierung dürfte sich jedoch noch etwas verzögern. Laut dem Nieuwe Rotterdamsche Courant muss zuvor das derzeit noch geschäftsführend amtierende alte Kabinett die Verantwortung für dringend gebotene finanzielle Maßnahmen übernehmen. Über diese Maßnahmen haben Kammer und Senat in diesen Tagen abzustimmen.[1] Erst nachdem das Parlament weitreichende Vollmachten zur Stabilisierung bewilligt hat, kann das neue Kabinett endgültig die Amtsgeschäfte übernehmen.[2][1]