In der chinesischen Hauptstadt hat sich eine maßgebliche politische Wende vollzogen. Nach dem vollständigen Zusammenbruch der bisherigen Exekutive ist der weithin respektierte Staatsmann Yenhuitsching (Yan Huiqing) mit der Etablierung einer neuen Zentralregierung betraut worden. Dieser Schritt markiert den ehrgeizigen Versuch, im Anschluss an die verheerenden, verlustreichen Kämpfe zwischen den verfeindeten Militärfraktionen eine handlungsfähige zivile Verwaltung in Peking wiederherzustellen.
Yenhuitsching (Yan Huiqing), der bereits in der Vergangenheit mehrfach als Diplomat auf internationalem Parkett aufgetreten ist, stützt sich beim Aufbau seines Kabinetts vornehmlich auf die verbliebenen Kräfte der sogenannten Tschili-Partei um General Wupeifu (Wu Peifu). Die neue Regierung steht jedoch bereits von ihrem ersten Tag an vor erheblichen finanziellen und administrativen Schwierigkeiten. Die Staatskassen sind durch die anhaltenden Bürgerkriege nahezu erschöpft. In Kreisen politischer Beobachter gilt es zudem als überaus ungewiss, ob die Autorität der Pekinger Minister gegenüber den einflussreichen südlichen Provinzen dauerhaft aufrechterhalten werden kann. Eine weitere große Gefahr droht aus der nördlichen Mandschurei. Dort verfügt der militärisch überlegene Truppenführer Tschangtsolin über eine hervorragend ausgerüstete Armee und verfolgt weiterhin konsequent seine eigenen strategischen Ziele.
Die europäischen und amerikanischen Gesandtschaften in Peking beobachten den Machtwechsel unterdessen mit deutlicher diplomatischer Zurückhaltung. Die Aufmerksamkeit der westlichen Regierungen wird gegenwärtig weitgehend von schweren innereuropäischen Krisen in Anspruch genommen. So zwingt die prekäre finanzielle Lage in Frankreich, laut dem in Washington erscheinenden Evening Star, zu drastischen Maßnahmen zur Rettung des Franc.[1] Auch die von der Neuen Freien Presse gemeldeten Notstandsmaßnahmen infolge des britischen Kohlenarbeiterstreiks[2] beanspruchen erhebliche politische Kräfte. Deshalb beschränkt sich die internationale Diplomatie im Fernen Osten gegenwärtig darauf, die grundlegende Sicherheit der eigenen Staatsbürger sowie bestehende Handelsinteressen zu wahren. Es wird abgewartet, welche außenpolitischen Schritte die Administration unter Yenhuitsching (Yan Huiqing) unternehmen wird, bevor weitreichende diplomatische Entscheidungen getroffen werden.