Eine neue Maßnahme der französischen Regierung verschärft die ohnehin delikate Lage im Saargebiet. Laut einer Verfügung des französischen Innenministers vom 8. Mai ist die „Saarbrücker Zeitung“ bis auf weiteres im gesamten französischen Staatsgebiet verboten worden.[1] Die Gründe für diesen Schritt, der die Pressefreiheit empfindlich berührt, sind bisher nicht näher dargelegt worden. In politischen Kreisen wird die Anordnung jedoch als ein Zeichen wachsender Nervosität in Paris angesichts der ungeklärten Verhältnisse an der Saar gewertet.
Die Maßnahme fällt in eine Zeit, in der auf diplomatischem Wege versucht wird, die alltäglichen Schwierigkeiten für die Bevölkerung zu lindern.[1] Wie aus der Presse hervorgeht, fanden in der vergangenen Woche Verhandlungen zwischen Vertretern der Berliner Regierung, der Regierungskommission des Saargebietes und der französischen Regierung statt.[1] Gegenstand der Beratungen war die Regelung der Rechtsverhältnisse an den Grenzen. Insbesondere ging es um die Erleichterung des sogenannten kleinen Grenzverkehrs, der für die Bewohner der Region von großer Bedeutung ist.[1]
Diese Verhandlungen haben, wie die *Deutsche Allgemeine Zeitung* berichtet, zwar für einen Teil der aufgeworfenen Fragen zu einer Einigung geführt. Ein umfassender Abschluss konnte jedoch noch nicht erzielt werden.[1] Die Gespräche sollen daher kurz nach den Pfingstfeiertagen wieder aufgenommen werden, um eine Gesamtlösung zu erzielen.[1] Der Vorgang unterstreicht die Komplexität der Lage. Diese ergibt sich aus dem Versailler Vertrag, der — wie es die *Kölnische Zeitung* in einem anderen Zusammenhang formulierte — das Saargebiet als eine Art Pfand einem politischen Gläubiger, nämlich Frankreich, überantwortet hat.[2]
Die jüngste Anordnung aus Paris gegen ein deutsches Blatt dürfte die ohnehin schwierigen Verhandlungen zusätzlich belasten. Das Verbot wird als ein politisches Signal verstanden, das die Pflege der geistigen und kulturellen Verbindungen zwischen dem Saargebiet und dem übrigen Reich erschwert.[2] Die Maßnahme gegen die Pressefreiheit wird in deutschen Kreisen mit erheblicher Sorge zur Kenntnis genommen.