Auch Jahre nach der Gründung der Republik ist die Frage, welche Farben das Reich nach außen und innen repräsentieren sollen, nicht zur Ruhe gekommen. Der leidenschaftliche Streit um die Flagge, der die politische Debatte der letzten Wochen beherrschte, zeigt, dass dem deutschen Volk weiterhin einheitliche Symbole für die Bekundung seines nationalen Lebenswillens fehlen.[1]

Es ist eine eigentümliche Entwicklung. Die Gefolgschaft jener radikalen Kreise, die ihre politischen Ziele mit Handgranaten und Maschinenpistolen durchzusetzen versuchten, schwindet unaufhaltsam.[1] Der Bestand des neuen deutschen Staatswesens darf in den Gemütern der großen Volksmehrheit als gesichert gelten.[1] Dennoch sind wir von einer inneren Einmütigkeit, wie sie andere Nationen kennzeichnet, noch entfernt. Viele verkennen die große Bedeutung gemeinsamer Ausdrucksformen für die Behauptung der deutschen Stellung in der Welt.[1]

In dieser angespannten Lage hat die Botschaft des Reichspräsidenten eine bemerkenswerte Wirkung entfaltet. Hindenburg zeichnete in klaren Worten das Ziel einer Lösung der Symbolfrage vor. Diese müsse im Geiste der Verständigung und auf dem Boden der Verfassung stehen.[1] Sein Appell fand bei der Mehrheit der Volksvertretung und darüber hinaus im Deutschtum des In- und Auslandes einen starken Widerhall.[1] Dies nährt die Hoffnung, dass eine Einigung in dieser für das Selbstverständnis der Nation wichtigen Frage möglich ist. Dann braucht man nicht die weltpolitische Befähigung des Volkes in Zweifel zu ziehen.[1]

Die Notwendigkeit einer solchen Einigung wird besonders deutlich, wenn man die Auswirkungen auf die Außenpolitik betrachtet. Wie die *Badische Presse* hervorhebt, bedeutet jeder Fortschritt in Richtung einer einheitlichen nationalen Haltung eine unmittelbare Stärkung der deutschen Position.[1] Die verantwortlichen Leiter der Außenpolitik können eine solche innere Geschlossenheit gleichsam wie auf einer seismografischen Kurve ablesen.[1] Die Überwindung des Flaggenstreits ist daher mehr als eine rein innerpolitische Aufgabe; sie ist eine Voraussetzung für die erfolgreiche Wahrnehmung deutscher Interessen in der Welt.[1]