Der panislamische Kongress, der am 13. Mai in der ägyptischen Hauptstadt zusammentrat, hat seine Verhandlungen am 20. Mai beendet, ohne in der entscheidenden Frage des Kalifats zu einem Ergebnis gelangt zu sein.[1] Die Aufgabe, über die Beibehaltung oder Abschaffung dieser höchsten Würde im Islam zu befinden und gegebenenfalls einen neuen Kalifen zu bestimmen, wurde einer zukünftigen Versammlung überlassen.[1] Dem Pariser Figaro zufolge war dieser Ausgang allerdings vorauszusehen, da die Gegensätze unter den Delegierten als unüberbrückbar galten.[1]

Die Hauptursache für das Scheitern liegt in dem grundsätzlichen Konflikt zwischen den Befürwortern und den Gegnern der Institution.[1] Insbesondere die kemalistische Türkei, die das Kalifat aus politischen Gründen abgeschafft hatte, steht einer Wiederherstellung ablehnend gegenüber. Ebenso zeigen einflussreiche republikanische Kreise in Ägypten selbst eine ablehnende Haltung.[1] Doch auch das Lager derer, die das Kalifat erhalten wollen, ist tief gespalten.[1]

Wie die französische Zeitung weiter ausführt, existieren unter den Anhängern der Institution verschiedene Anwärter auf die Nachfolge.[1] Einige hielten dem abgesetzten Kalifen Mehmed VI. die Treue, während andere den ägyptischen König Fuad favorisieren.[1] Auch der Emir von Afghanistan, Amanullah Khan, und der Sultan des Nedjd, Ibn Saud, verfügen über zahlreiche Unterstützer.[1] Als aussichtsreichste Kandidaten galten zuletzt König Fuad und Ibn Saud.[1]

Hinter diesen Rivalitäten stehen erhebliche machtpolitische Interessen.[1] König Fuad soll auf die Unterstützung Englands zählen, das ein Interesse daran habe, den religiösen Führer des Islam unter seinem Einfluss zu halten.[1] Ibn Saud hingegen, der den früheren britischen Schützling, König Hussein vom Hedschas, vertrieben hatte, wird von London als Gegner betrachtet.[1] Er findet Unterstützung bei der Türkei, Persien, Afghanistan und Teilen der indischen Muslime.[1] Angesichts dieser widerstreitenden Einflüsse und Interessen war eine Einigung in Kairo kaum zu erwarten.[1]