Der französische Minister für öffentliche Arbeiten, de Monzie, hat dem Ministerrat eine Gesetzesvorlage zur umfassenden Förderung der Wasserkraft unterbreitet.[1] Dem Entwurf, der bereits die Zustimmung des Kabinetts fand, liegt die Absicht zugrunde, einen besonderen Rat für den Ausbau der Wasserkraftnutzung einzusetzen.[2]

Die Finanzierung dieses Vorhabens soll durch die Erhebung einer neuen Abgabe auf die an die Verbraucher gelieferte elektrische Energie sichergestellt werden.[2][1] In einer amtlichen Mitteilung des Ministeriums für öffentliche Arbeiten, über die Pariser Blätter wie der Figaro und Le Temps berichten,[2][1] wird die Notwendigkeit dieses Schrittes ausführlich begründet. Es heißt darin, die industrielle Leistungsfähigkeit eines Landes hänge in erster Linie von den verfügbaren Energiequellen ab.[2] In dieser Hinsicht sei Frankreich bei der Erzeugung thermischer Energie vom Ausland abhängig, da es jährlich beträchtliche Mengen an Kohle importieren müsse.[1]

Demgegenüber verfüge das Land über erstklassige, aber ungenutzte Wasserressourcen in seinen vielgestaltigen Flüssen und Strömen.[2] Die gegenwärtigen finanziellen Schwierigkeiten erlauben es jedoch nicht, diese natürlichen Vorteile vollständig auszuschöpfen.[1] Laut dem Figaro bestehe ein Ungleichgewicht zwischen dem Bau von Wärme- und Wasserkraftwerken.[1] Ein Wärmekraftwerk sei zwar leichter zu errichten, belaste jedoch die Zukunft durch die ständige Notwendigkeit zusätzlicher Kohleimporte.[1] Der Bau eines Wasserkraftwerkes — obgleich er das Land von Importen unabhängiger mache — sei angesichts des außerordentlich hohen Zinsniveaus für Kapital gegenwärtig kaum durchführbar.[1] Aus diesem Grunde ziehe die Mehrheit der Industriellen in der Regel die Errichtung thermischer Anlagen vor.[1]

Um dieses Missverhältnis zu beheben, schlägt Minister de Monzie nun vor, die Stromverbraucher zu einem „konstruktiven Beitrag“ heranzuziehen.[2][1] Dieser soll aus einer Abgabe von bescheidener Höhe bestehen.[2] Dem Temps zufolge ist ein Aufschlag von fünf Prozent vorgesehen, der jährlich eine Summe von etwa 150 Millionen Francs einbringen dürfte.[2] Mit diesen Mitteln soll es möglich werden, den Bau von Wasserkraftanlagen in Angriff zu nehmen. Deren Verwirklichung musste bisher auf unbestimmte Zeit zurückgestellt werden.[2]