Die Pfingstfeiertage standen im Zeichen politischer Machtdemonstrationen, die von erheblichen Befürchtungen begleitet waren. Während in Düsseldorf der deutschnationale „Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten“ zu seinem siebenten Frontsoldatentag aufmarschierte, veranstaltete in Berlin der kommunistische „Rote Frontkämpferbund“ eine zentrale Kundgebung.[1][2] Massive Polizeipräsenz an beiden Orten verhinderte die befürchteten schweren Auseinandersetzungen. Die Veranstaltungen verliefen, von kleineren Zwischenfällen abgesehen, ohne blutige Zusammenstöße.[1]
In Düsseldorf glichen die Straßen bereits am Samstag einem Heerlager. Annähernd 50.000 Stahlhelmleute traten zum großen Zapfenstreich an.[2] Den Höhepunkt bildete am Sonntag ein stundenlanger Vorbeimarsch an der Bundesführung. Daran sollen sich Tausende mit etwa 2500 Fahnen beteiligt haben.[2] Der Bundesführer Seldte erklärte in mehreren Ansprachen, der Stahlhelm sehe den Rhein nicht als Grenze, sondern als deutschen Strom.[2] Man wolle ein neues Geschlecht aus der alten Frontgeneration bilden; hierbei gehe es allein um die deutsche Nation und das Reich.[2] Die Angaben über die Teilnehmerzahlen gehen jedoch weit auseinander. Während die Organisatoren und Teile der Presse von 50.000 bis 60.000 Teilnehmern sprechen, beziffern amtliche Schätzungen, welche von der *Sächsischen Staatszeitung* wiedergegeben werden, die Zahl lediglich auf 18.000 bis 20.000 Mann.[3][4][5] Dem Blatt zufolge sei die Veranstaltung, gemessen an der Reichsbannerkundgebung in Köln, ein „Reinfall“ gewesen.[5] Zu ernsteren Störungen kam es nicht. Allerdings wurde in der Nacht zum Sonntag ein Stahlhelmangehöriger im Stadtteil Flingern angeschossen und leicht verletzt.[2] In Bilk kam es zudem zu einem Zusammenstoß mit Mitgliedern des Roten Frontkämpferbundes, bei dem zwei Stahlhelmleute verletzt wurden.[5]
In Berlin zog derweil der Rote Frontkämpferbund in einem großen Aufmarsch von der Weberwiese zum Volkspark Neukölln.[6] Auch hier differieren die Zahlen stark. Während die kommunistische Seite von bis zu 100.000 organisierten Kämpfern sprach und ausländische Agenturen 80.000 Teilnehmer schätzten, meldete das *Hamburger Echo*, es hätten sich nur etwa 20.000 versammelt.[3][1][6] Die Kundgebung fand vor einer Tribüne statt, welche mit dem Bild Lenins und einem Transparent mit der Aufschrift „Krieg dem imperialistischen Kriege!“ geschmückt war.[6] Der Reichstagsabgeordnete Thälmann rief in einer Rede dazu auf, die revolutionäre Theorie in die Praxis umzusetzen.[6] Für die heimkehrenden Frontkämpfer gelte nicht die Parole „Gewehr bei Fuß“, sondern „Gewehr über“.[6] Wie die *Deutsche Allgemeine Zeitung* berichtet, inspizierte der Vizepolizeipräsident Dr. Friedensburg persönlich die Sicherheitsvorkehrungen.[6] Die ausländische Presse bemerkte den halbmilitärischen Charakter des Aufmarsches. Während des Zuges marschierten die Teilnehmer zu revolutionären Liedern.[3][4]
Über den Verlauf der Berliner Veranstaltung gab der Polizeipräsident eine offizielle Mitteilung heraus, die von mehreren Blättern gedruckt wurde.[1][6] Darin heißt es, die Kundgebung sei vollkommen ruhig und ohne jeden Zwischenfall verlaufen.[6] Der ungestörte Verlauf sei neben den umfangreichen Vorkehrungen der Polizei auch darauf zurückzuführen, dass keinerlei Angriffe oder Provokationen durch politische Gegner erfolgt seien.[1][6]