Der Prozess gegen den Theaterproduzenten Earl Carroll wegen Meineids wurde am Montag fortgesetzt und erregt weiterhin erhebliches Aufsehen.[1] Die Verhandlung konzentriert sich auf die Vorgänge während einer Geburtstagsfeier Carrolls. Bei dieser Feier soll das Revuegirl Joyce Hawley nackt in einer mit Wein gefüllten Badewanne gesessen und die männlichen Gäste bedient haben.[1] Miss Hawley, die Schlüsselfigur in diesem Sittenskandal, wird für den heutigen Verhandlungstag als Zeugin erwartet.[1] Sie erschien am Morgen zunächst eine Stunde verspätet, trat schließlich aber doch noch in den Zeugenstand.[2]
Die Anklage gegen Carroll lautet auf Meineid, den er vor zwei Untersuchungsausschüssen begangen haben soll.[1] Der Produzent hatte dort unter Eid ausgesagt, dass auf seiner Feier weder Alkohol ausgeschenkt worden sei noch jemand in eine Badewanne gestiegen, gefallen oder gestoßen worden wäre.[1] Dieser Darstellung widersprachen jedoch bereits mehrere Zeugen, darunter auch Journalisten.[1] Diese schilderten, dass Carroll der nur spärlich bekleideten Tänzerin selbst in die Wanne geholfen habe und die Gäste mit den Worten aufforderte, sich anzustellen, um ein Getränk zu empfangen.[1] Eine weitere Tänzerin, Dorothy Gordon, sagte aus, sie habe Carroll ihren Umhang geliehen, damit dieser Miss Hawley auf dem Weg zur Bühne abschirmen konnte.[1]
Die bisherigen Aussagen zeichnen ein widersprüchliches Bild. Während Max Lief, ein Theaterredakteur der Daily News, bezeugte, er habe aus der Wanne getrunken und die Flüssigkeit eindeutig als Champagner identifiziert, gab der bekannte Schriftsteller Irvin S. Cobb eine andere Darstellung.[1][2] Auf die Frage des Verteidigers, ob er Kenntnisse über Champagner besitze, sagte Cobb: "Früher, aber in letzter Zeit nicht mehr so sehr."[2] Seiner Ansicht nach habe die Flüssigkeit in der Wanne farblich nicht an Champagner erinnert.[2] Er selbst habe auf der Feier lediglich Bierersatz und Mineralwasser getrunken.[2]