Aus Japan treffen bestürzende Meldungen über eine Naturkatastrophe von gewaltigem Ausmaß ein. Der Vulkan Tokachi auf der Nordinsel Hokkaido, der seit langer Zeit als erloschen galt, ist am Montagnachmittag unter furchtbarem Getöse plötzlich wieder in Tätigkeit getreten.[1][2] Ein gewaltiger Lärm, der dem Ausbruch voranging, soll nach Berichten aus Sapporo noch in einer Entfernung von über 30 Kilometern deutlich vernommen worden sein.[1][3]
Die Eruption selbst zog eine Kette verheerender Ereignisse nach sich. Wie die *Washington Post* berichtet, ereigneten sich drei heftige Ausbrüche, welche die Wände des Hauptkraters einrissen.[4] Aus dem Kratersee ergossen sich daraufhin Wassermassen talwärts und verwandelten die umliegende Landschaft in ein Meer aus Schlamm.[4][5] Diese Schlammflut, vermischt mit Gestein und vulkanischer Asche, scheint die eigentliche Ursache für den hohen Verlust an Menschenleben zu sein.[5] Die Fluten überschwemmten mehrere Dörfer und ertränkten deren Bewohner.[4] Einem Bericht des *Hong Kong Telegraph* zufolge staute ein Lavastrom zudem den Fluss Mie auf. Dadurch verschlimmerten sich die Überschwemmungen weiter.[6]
Über die Zahl der Opfer liegen zur Stunde nur vorläufige und widersprüchliche Angaben vor. Der Gouverneur von Hokkaido teilte dem Innenministerium mit, man habe bisher etwa 100 Tote und mehr als 200 Verletzte geborgen.[4] Es werden jedoch noch über 1000 Bauern aus dem landwirtschaftlich erst neu erschlossenen Gebiet vermisst.[4] Andere Telegramme sprechen sogar von bis zu 2000 Vermissten.[1][3] Es wird befürchtet, dass Hunderte von Menschen in den Schlamm- und Wassermassen ertranken oder lebendig begraben wurden.[4][3] Die Zerstörungen sind ebenfalls immens. Mindestens 60 Häuser wurden von der Lava eingeschlossen oder von den Fluten weggerissen.[1][3] Ganze Reisfelder auf einer Fläche von rund 10.000 Morgen sind unter einer dicken Schlammschicht verschwunden.[4]
Besonders besorgniserregend ist das Schicksal zahlreicher Bergleute, die in den Schwefelminen am Fuße des Berges von der Katastrophe überrascht wurden.[7] Es wird befürchtet, dass sie dort in den Stollen verschüttet wurden, als sie Zuflucht suchten.[1][3] Die Einwohner der am Fuße des Vulkans gelegenen Stadt Miyé flohen in Angst.[1][3] Auch die Verkehrswege sind schwer in Mitleidenschaft gezogen. Nach Angaben des *Figaro* zerstörte eine Flutwelle alle Verbindungen und unterbrach den Eisenbahnverkehr. Die Ankunft der Rettungsmannschaften ist dadurch erheblich erschwert.[2] Die Katastrophenregion sei derzeit eine Schlammwüste, heißt es in Depeschen aus Hokkaido.[4]
Schon seit Anfang Mai hatte der Vulkan mit Grollen auf seine wiedererwachende Tätigkeit aufmerksam gemacht. Viele Bewohner verließen daraufhin die gefährdete Zone.[4] Die nun erfolgten Eruptionen übertrafen jedoch die schlimmsten Befürchtungen. Die Hilfsmaßnahmen wurden inzwischen eingeleitet. Nach Angaben amerikanischer Blätter sind bereits 200 Ärzte und Krankenschwestern im Einsatz; sie werden von 800 Mitgliedern des örtlichen Jungmännervereins unterstützt.[4] Dem Vernehmen nach ist der Vulkan inzwischen wieder zur Ruhe gekommen, doch die Lage im verwüsteten Gebiet bleibt äußerst schwierig.[6]