Gerhart Hauptmann hat die ihm angetragene Berufung in die neugegründete Sektion für Dichtkunst der Preußischen Akademie der Künste abgelehnt.[1][2] In einem Schreiben an den preußischen Kultusminister, Dr. Becker, legt der Dichter die Beweggründe für seine Entscheidung dar, die in literarischen Kreisen bereits erhebliches Aufsehen erregt.[2] Neben Hauptmann hatte der Minister, wie seinerzeit berichtet wurde, auch Arno Holz, Thomas Mann, Hermann Stehr und Ludwig Fulda als erste Mitglieder in die Sektion berufen.[1]
Wie aus dem nun veröffentlichten Brief hervorgeht, würdigt Hauptmann zwar die ihm zugedachte Auszeichnung. Er vermag sich jedoch nicht von der staatlichen Notwendigkeit einer solchen Institution zu überzeugen.[1] Während er Akademien der Wissenschaften, der bildenden Künste oder der Musik für unentbehrlich halte, da dort gemeinsame Arbeit und staatliche Lehrinstitute im Vordergrund stünden, verneint er eine vergleichbare Rolle für die Poesie.[1] Um staatliche Unterstützungen zu erwirken und zu verteilen, bedürfe es, so Hauptmann, keines Dichterkollegiums, sondern lediglich „einiger gebildeter und wohlwollender Männer von Takt und Geschmack“.[1] Einer bewussten Führung auf dem Gebiet der Dichtkunst stehe er zweifelnd gegenüber und nennt staatlich beamtete, führende Dichter ein Novum, das von freien Poeten mit Recht beanstandet werde.[1]
Mit seiner Absage, so heißt es in einer Meldung des *Hamburger Echo*, bestätige Hauptmann das bereits in weiten Kreisen bestehende Misstrauen gegen die Bedeutung einer solchen akademischen Dichterbehörde.[2] Man darf nun mit einiger Spannung erwarten, ob die übrigen berufenen Mitglieder diese Bedenken teilen und eine ähnliche Konsequenz ziehen werden.[2]