Der Präsident der Deutschen Reichsbank, Dr. Hjalmar Schacht, ist zu einem mehrtägigen Aufenthalt in der britischen Hauptstadt eingetroffen. Zweck seiner Reise sind, wie aus unterrichteten Kreisen verlautet, eingehende Besprechungen mit führenden Persönlichkeiten der Bank von England und des britischen Schatzamtes. Im Mittelpunkt der Unterredungen dürften Fragen der europäischen Währungsstabilität sowie die weitere Festigung der deutschen Mark stehen.

Seit der erfolgreichen Einführung der Rentenmark und der nachfolgenden Reichsmark hat die deutsche Währung eine Stabilität erlangt, die eine wesentliche Grundlage für die wirtschaftliche Erholung des Reiches darstellt. Diese Stabilität zu sichern und das Vertrauen der internationalen Finanzmärkte weiter zu stärken, ist das erklärte Ziel der deutschen Geldpolitik. Die Gespräche in London werden daher als wichtiger Schritt zur Koordinierung der Notenbankpolitik zwischen Deutschland und Großbritannien gewertet.

Besonderes Augenmerk wird den Einflüssen der jüngsten Währungsschwankungen in Frankreich und Belgien auf die allgemeine europäische Finanzlage gelten. Man erwartet, dass Dr. Schacht bei seinen Gesprächspartnern, zu denen dem Vernehmen nach auch Montagu Norman, der Gouverneur der Bank von England, gehört, für eine enge Zusammenarbeit der großen europäischen Notenbanken werben wird. Eine solche Kooperation wird als notwendig erachtet, um spekulativen Angriffen auf einzelne Währungen wirksam zu begegnen und das internationale Zahlungssystem zu sichern.

Obgleich die Visite offiziell als reiner Arbeitsbesuch bezeichnet wird, misst man ihr in den Finanzzentren Europas erhebliche Bedeutung bei. Ein enges Einvernehmen zwischen der Reichsbank und der Bank von England gilt als entscheidender Faktor für die wirtschaftliche Beruhigung des Kontinents. Ergebnisse der vertraulichen Beratungen werden erst nach der Rückkehr des Reichsbankpräsidenten nach Berlin erwartet.