Die politische Lage im jungen Irischen Freistaat bleibt, wie Berichte aus Dublin bestätigen, fern von jener gefestigten Beständigkeit, die ältere Nationalstaaten kennzeichnet.[1] Dies mag eine der unvermeidlichen Begleiterscheinungen der noch jungen Staatlichkeit Irlands sein, die allein die Zeit zu heilen vermag. Besonders auffällig ist jedoch die große Unentschlossenheit in der Bevölkerung hinsichtlich ihrer politischen Parteien.[1] Derzeit scheinen die Männer und Frauen, die den Kampf um die Unabhängigkeit für sich entschieden, die Regierungsgewalt fest in Händen zu halten.[1] Ihnen sind die Pfründen der Ämter zugefallen. Kritiker sehen sich leicht dem Vorwurf ausgesetzt, sie hätten selbst nichts zur Erringung der Souveränität beigetragen.[1]
Im Parlament, dem Dáil, sind gegenwärtig vier klar umrissene Parteien vertreten: die Regierungspartei Cumann na nGaedheal, die Arbeiterpartei, die Bauernpartei sowie die Gruppe der Unabhängigen, die vornehmlich Geschäftsinteressen vertritt.[1] Die republikanische Opposition hat es bisher abgelehnt, ihre Sitze einzunehmen.[1]
Für die politische Entwicklung ist besonders die Bildung neuer Parteien bedeutsam. Auch das Bestreben bestehender Kräfte, ihre Organisation den erwarteten Wählerströmungen anzupassen, ist auffällig.[1] Ein starker Flügel innerhalb der Regierungspartei selbst, der von J. J. Walsh, dem Minister für Post und Telegrafie, angeführt wird, ist ein Symptom der inneren Spannungen.[1] Diese Gruppe verlangt eine Politik, die sich von der Linie des Exekutivrates unterscheidet.[1] Ein solches Vorgehen eines amtierenden Ministers ist möglich, weil die Verfassung vorsieht, dass bestimmte Ressortchefs dem Parlament und nicht dem Kabinett verantwortlich sind.[1] Aus diesem Grunde, so geht aus einem Bericht der Los Angeles Times hervor, steht es einem Minister frei, die Regierung zu kritisieren, wenn er es für richtig hält.[1]