Die Vereinigten Staaten von Amerika stehen heute im Zeichen des Gedenkens an ihre in den Kriegen gefallenen Söhne. Im ganzen Lande finden am heutigen Gedenktag, dem „Memorial Day“, feierliche Akte statt, deren Mittelpunkt jedoch die Hauptstadt Washington bildet, wo Präsident Coolidge persönlich die Ehrenwache anführt.[1] Die Nation legt Blumen auf die Gräber ihrer Soldaten und hält in Stille inne, um der Opfer zu gedenken, die für das Land gebracht wurden.
Die zentrale Gedenkfeier wird am frühen Nachmittag auf dem weitläufigen Nationalfriedhof von Arlington stattfinden, jenem Ehrenfeld auf den Hügeln Virginias gegenüber der Hauptstadt.[1] Wie die Washington Post meldet, wird Präsident Coolidge dort um halb zwei Uhr die Gedenkrede halten.[1] Die Feierlichkeiten, die unter der Schirmherrschaft der „Großen Armee der Republik“ stehen, beginnen bereits eine halbe Stunde früher mit einer Ouvertüre des Orchesters der Marineinfanterie.[1] Die geistliche Weihe der Veranstaltung wird Pfarrer George F. Dudley vornehmen.[1]
Bereits am Vormittag war Arlington Schauplatz eines bemerkenswerten diplomatischen Aktes von hoher Symbolkraft. Der schwedische Kronprinz Gustav Adolf stattete dem Grabmal des Unbekannten Soldaten einen Besuch ab und legte dort im Namen seines Landes einen Kranz nieder.[2] Nach Angaben des Washingtoner Evening Star wurde der Prinz bei dieser schlichten Zeremonie von höchsten Militärs begleitet. Dazu zählten Generalstabschef John L. Hines und der Befehlshaber des Wehrbezirks Washington, Brigadegeneral S. D. Rockenbach.[2] Der Besuch des Thronfolgers eines Landes, das im Weltkrieg neutral geblieben war, gilt in hiesigen Kreisen als eine besondere Geste der Ehrerbietung gegenüber den amerikanischen Gefallenen.[2]
Die Ehrungen in der Hauptstadt beschränken sich indes nicht allein auf die Zeremonien an Land. Für den Vormittag war auch eine Gedenkfeier zu Wasser auf dem Potomac-Fluss angesetzt.[1] Diese Veranstaltung, die von den Veteranen der Auslandskriege ausgerichtet wird, sollte von der Regierungsjacht Sylph aus stattfinden, welche dem Marineministerium untersteht.[1]
Das Gedenken an die amerikanischen Gefallenen macht jedoch nicht an den Grenzen der Vereinigten Staaten halt. Dem Pariser Figaro zufolge fanden auch in der französischen Hauptstadt Ehrungen statt.[3] So wurden am Vormittag Feierlichkeiten am Arc de Triomphe abgehalten. Für den Nachmittag war eine Gedenkzeremonie auf dem amerikanischen Soldatenfriedhof in Suresnes bei Paris vorgesehen.[3] Damit wird deutlich, dass die Erinnerung an die im Weltkrieg gefallenen Amerikaner auch auf dem Boden Europas, auf dem sie kämpften und starben, lebendig gehalten wird.